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Es gibt 4 Namen in diesem Verzeichnis, die mit dem Buchstaben Z beginnen.
Z
Zapfen
… von Nadelbäumen gelten als Fruchtbarkeitssymbol.
Zentaur
Symbol der ungestümen, instinkthaften Tiernatur und der triebhaften, phallisch-vitalen Kraft des Pferdes.
Ziege
Symboltier für Nahrungsspenderin und Muttertier. Der Ziegenbock dagegen gilt als Verkörperung von Lüsternheit, männlicher Triebstärke und Zeugungskraft.
Zitrone
In der Kunstgeschichte begegnet uns die Zitrone besonders häufig im Stillleben des 17. Jahrhunderts, vor allem in der niederländischen Malerei. Dort liegt sie oft halb geschält auf einem Tisch, die Schale kringelt sich elegant über die Tischkante, daneben Glas, Silber, Wein, Austern, Brot oder Messer.
Diese geschälte Zitrone ist fast schon ein Klassiker. Sie bedeutet häufig:
Das Leben ist verführerisch schön — aber nicht nur süß.
Von außen leuchtet sie golden, duftet frisch, wirkt kostbar und appetitlich. Doch ihr Inneres ist sauer, manchmal bitter. Genau darin liegt ihre symbolische Kraft: Sie erinnert daran, dass Schönheit, Genuss und Reichtum eine Kehrseite haben können. Die National Gallery of Art nennt die herabhängende Zitronenschale ausdrücklich als mögliches Zeichen für die Vergänglichkeit des Lebens in niederländischen Stillleben.
Vanitas: die Zitrone als Erinnerung an Vergänglichkeit
In sogenannten Vanitas-Stillleben geht es um die Vergänglichkeit alles Irdischen: Reichtum, Schönheit, Genuss, Wissen, Macht — alles vergeht. Typische Zeichen sind Totenschädel, Uhren, erloschene Kerzen, zerbrochene Gläser, welkende Blumen, angefangene Mahlzeiten. Und eben: die geschälte Zitrone.
Warum? Weil eine aufgeschnittene oder geschälte Frucht bereits im Zustand des Vergehens ist. Sie trocknet aus, verliert Duft, Saft und Frische. In einem Bild kann sie also sagen:
Genieße das Leben — aber verwechsle Genuss nicht mit Ewigkeit.
Bei Willem Claesz. Heda beschreibt die National Gallery of Art zum Beispiel ein Bankett-Stillleben, in dem die Gegenstände die sinnlichen Freuden eines Festes zeigen, zugleich aber daran erinnern, dass diese Freuden nur vorübergehend sind. Dazu gehören unter anderem eine fast abgebrannte Kerze, zerbrochenes Glas und luxuriöse Speisen.
Luxus, Handel und Statussymbol
Historisch war die Zitrone in Nordeuropa lange kein alltägliches Obst. In Amsterdam des 17. Jahrhunderts galt sie als exotische Frucht. Die National Gallery beschreibt Zitronen in sogenannten pronkstilleven — also prunkvollen Schaustillleben — als teure, exotische Lebensmittel, die zusammen mit Glas, Porzellan, Teppichen und anderen Kostbarkeiten gezeigt wurden.
Eine Zitrone im Bild konnte also auch sagen:
Schau her: Hier ist Wohlstand. Hier ist Weltläufigkeit. Hier ist Zugang zu Handel, Luxus und fernen Ländern.
Gerade in den Niederlanden war das wichtig. Die Zitrone verweist indirekt auf Handelswege, Seefahrt, Kolonialwaren und den wirtschaftlichen Aufstieg der jungen Republik. In historischen Quellen zur Zitrusgeschichte in den Niederlanden wird deutlich, dass der Handel mit Orangen und Zitronen im 16. Jahrhundert stark zunahm; später wurde Amsterdam zu einem der wichtigsten Handelszentren Nordeuropas.
Mythologie: die Zitrone und die goldenen Äpfel der Hesperiden
In der antiken Mythologie ist es ein bisschen komplizierter. Die Zitrone selbst steht dort nicht so klar im Mittelpunkt wie etwa Apfel, Granatapfel oder Weintraube. Aber: Zitrusfrüchte wurden später oft mit den berühmten goldenen Äpfeln der Hesperiden verbunden.
Diese goldenen Früchte gehörten Hera und wuchsen in einem göttlichen Garten am westlichen Rand der Welt. Herakles musste sie als eine seiner Arbeiten holen. Ursprünglich waren diese „goldenen Äpfel“ wohl nicht unbedingt Zitronen — oft denkt man eher an Quitten oder andere goldene Früchte. Später wurden sie aber in der Vorstellung und Bildtradition zunehmend mit Zitronatzitronen, Orangen oder anderen Zitrusfrüchten verbunden.
Symbolisch stehen diese goldenen Früchte für Unsterblichkeit, göttliche Schönheit, Fruchtbarkeit, ewigen Frühling und das Goldene Zeitalter. In einer wissenschaftlichen Darstellung zur humanistischen Zitruskultur wird beschrieben, dass die Äpfel der Hesperiden in der Renaissance unter anderem Frieden, Gerechtigkeit, Fruchtbarkeit, ewigen Frühling und göttlichen Glanz bedeuten konnten.
Das ist wunderschön, oder? Die Zitrone hat also auch eine Verbindung zu diesem alten Traum: ein immergrüner Garten, goldene Früchte, Licht, Jugend, Unsterblichkeit.
Medizin, Reinigung und Schutz
Historisch hatte die Zitrone außerdem eine praktische und symbolische Nähe zu Heilung, Reinigung und Schutz. In frühneuzeitlichen Kräuter- und Arzneibüchern wurden Zitronen und andere Zitrusfrüchte für medizinische Zwecke beschrieben. Dodonaeus schrieb ihnen vorbeugende und heilende Wirkungen zu; spätere pharmazeutische Texte erwähnen Zitrone unter anderem gegen Magenbeschwerden, Fieber, Pestangst, Schwindel, schlechten Atem und Skorbut. Zitronensaft wurde auch zum Reinigen, zur Hautpflege und sogar als unsichtbare Tinte verwendet.
In einem Bild kann die Zitrone deshalb auch subtil an Frische, Reinigung, Gesundheit, Wachheit und Lebenskraft erinnern.
Die Zitrone kann in Kunst und Kultur bedeuten:
Vergänglichkeit:
Geschälte oder angeschnittene Früchte verderben schnell
Vanitas:
Erinnerung daran, dass Genuss und Reichtum nicht ewig sind
Bittersüßes Leben:
Außen schön und golden, innen sauer
Luxus und Handel:
Exotische Frucht, Zeichen von Wohlstand und Weltläufigkeit
Sinnlichkeit:
Duft, Geschmack, Saft, Licht, Farbe
Malerische Virtuosität:
Schwierige Texturen: Schale, Fruchtfleisch, Glanz, Transparenz
Heilung und Reinigung:
Historische medizinische und praktische Verwendung
Mythologisches Gold:
Verbindung zu den goldenen Äpfeln der Hesperiden
Lebenskraft und Frische:
Licht, Säure, Duft, Wachheit, mediterrane Fülle