Kunstakademie Artis

Akademie für Realistische Malerei und altmeisterliche Techniken

 Ölmalerei Level 3    |          ​Eine Geisha malen, Teil 1

Geisha malen, Teil 1

Sie sind nun als Künstler*in auf einem Level angekommen, dass Sie eigentlich eigene Bilder malen müssen, anstatt fremde Bilder nachzumalen. 

Dafür ist diese Übung gut geeignet. 

Wir malen eine Geisha. (Das ist übrigens Phase 1 des Bildes - die Grisaille-Untermalung. In der nächsten Lektion werden wir sie mit Farbe übermalen.)

Anstatt mein Bild zu kopieren, suchen Sie sich bitte aus den Referenzfotos ein eigenes aus. Oder besorgen Sie sich ein eigenes Modell. Schauen Sie sich die Videos an und versuchen Sie, die Malweise auf Ihr eigenes Bild zu adaptieren und anzupassen.

Geisha

Referenzfotos

Für das Bild benötigen Sie:

Farbe

  • Titanweiß
  • Kasslerbraun (​​French Cassel earth 0048 von Williamsburg - gibt es bei Gerstäcker)

Pinsel

  • Rundpinsel 10/0 oder 5/0 von Da Vinci
  • Flachpinsel
  • Katzenzungenpinsel
  • Lasurpinsel in verschiedenen Größen

Hilfsmaterial

  • Porträtlinnen 80 x 100 cm 
  • Bleistift HB
  • Abreißpalette
  • alter Putzlappen
  • Palettenmesser
  • Terpentinöl
  • Liquin Fine Detail

Arbeitsschritte

1. Das Bild übertragen

Wenn Sie Ihr Foto gewählt haben, dann drucken Sie es sich in Schwarzweiß aus. Am besten A3 oder größer, damit Sie auch kleinere Details gut erkennen können. 

Übertragen Sie das Foto auf Ihre Leinwand - freihand, mit einem Projektor oder per Raster (falls Sie die Rester-Methode wählen: zeichnen Sie das Raster mit einem Aquarell-Buntstift. Dann wäscht es sich weg beim späteren Übermalen.)

Ich empfehle Ihnen das Format 80 x 100 (oder sogar noch größer), damit Sie sich gut auf jedes Detail konzentrieren können. Wählen Sie ein kleineres Format, dann können Sie leichter Details, die Ihnen nicht gut von der Hand gehen, wegschummeln. 

Aber schließlich wollen wir ein realistisches Porträt malen und uns nicht selbst ein bisschen betrügen. 

Lassen Sie uns beginnen...

Als erstes mischen sie sich verschiedene Grautöne. 5 wie auf der Palette nebenan reichen für den Beginn.

Ich selbst verwende für meine Grisaille Kasslerbraun von der Firma Williamsburg. Das ist das einzige mir bekannte dunkle Braun, mit dem man relativ deckend arbeiten kann und das vor allem beim Mischen mit Titanweiß keinen Braunton ergibt, sondern ein warmes Grau.

Falls Sie diese Farbe nicht kaufen möchten, weil sie vielleicht zu teuer ist: auch gut. Mischen Sie sich dann in dem Fall ein chromatisches Schwarz. (  Hier finden Sie das Rezept.)

Dieses chromatische Schwarz wäre dann Ihr dunkelster Farbton, den Sie mit Titanweiß mehr und mehr aufhellen können.

Ich beginne meine Untermalung mit einem mittleren Grauton. Das hat einen simplen Grund: Einen mittleren Farbton kann man gut modulieren. Also nach Bedarf abdunkeln. Oder aufhellen.  

Schatten und Lichter werden - wenn es möglich ist - bereits in dieser Phase angelegt. Wahrscheinlich klappen die Tonwerte nicht ganz, aber das kann später noch immer korrigieren.

Im Moment dienen uns Licht und Schatten eher zur Orientierung. 

Beim ersten Farbauftrag auf eine Leinwand entstehen in den meisten Fällen unschöne Farbübergänge und Strukturen. Das ist normal.

Für unser Porträt sind diese eher störend. Deshalb versuche ich die Farben schon von Beginn an so gut zu verblenden, so gut es im Moment eben geht.

Porträts oder auch andere Themen kann man auf zweierlei Weise malen: Man macht eine komplette Untermalung, und danach beginnt man mit den Lasuren und den Korrekturen.

Ich mache das anders. Bei großen Formaten und ganz besonders bei Porträts untermale ich jeden Tag nur ein oder zwei Teilstücke. Den Rest meiner Atelierzeit verbringe ich mit den Korrekturen und dem Anlegen der richtigen Tonwerte und Lasuren von den bereits gemalten Teilen.

Auf diese Weise sieht mein Porträt in jeder Arbeitsphase gut aus und kann ich jeden Tag mit Freude ans Werk gehen.

Wenn man ein achtzig mal einhundert Zentimeter großes Bild vor sich hat, in dem jeder Quadratzentimeter eine Baustelle ist, dann kann das sehr demotivierend wirken.

Mit wie vielen Farbschichten Sie Ihr Porträt übermalen müssen, lässt sich nicht präzise vorhersagen. An manchen Stellen reichen vielleicht 2 Übermalungen, an anderen brauchen Sie möglicherweise 10. 

Mit jeder neuen Farbschicht wird das Gesicht und die Haut feiner. Ein Effekt, den Sie niemals erreichen, wenn Sie nur mit einer einzigen, dicken Farbschicht und zu dicken Pinseln arbeiten.

Es geht bei realisischer Malerei nicht darum, ein Bild schnell! schnell! schnell! fertig zu kriegen, sondern es geht um Qualität. Verlieben Sie sich ein wenig in den Entstehungs- und Malprozess. 

Falls Sie Mühe damit haben, die richtigen Grauwerte zu erkennen, dann probieren Sie es mal mit einem Tonwertfinder. Mischen Sie sich alle Grauwerte, die auf dem Tonwertfinder zu sehen sind. Und wann immer Sie sich im Unklaren über die Wertigkeit eines Graus sind, dann halten Sie den Tonwertfinder gegen Ihr Referenzfoto, und schon wissen Sie, welches Grau Sie nun verwenden müssen.

Am Ende dieses Arbeitstages können Sie auch schon den Hintergrund anlegen - der kann ruhig in Farbe sein. Ich verwende Paynesgrau für das Dunkel, und den Lichtkreis male ich mit einer Mischung aus Paynesgrau und Titanweiß. 

Für den nächsten Arbeitsgang muss Ihr Untergrund ganz getrocknet sein. Solange die Farbe noch klebt oder nur oberflächentrocken ist, ruinieren Sie sich Ihre Untermalung, wenn Sie zu ungeduldig sind.

Träufeln Sie etwas Malmittel auf ein weiches Tuch. Damit reiben Sie Ihren Hintergrund einmal komplett ein. Der gesamte Hintergund muss von einem feinen Ölfilm bedeckt sein.

Danach übermalen Sie den Hintergrund nochmals komplett mit den gleichen Farben vom Vortag. Also mit Paynesgrau und einer Mischung aus Titanweiß und Paynesgrau. Wenn die Mischung etwas andere Tonwerte hat: kein Problem. 

Nehmen Sie danach ein sauberes, weiches Tuch, knüllen Sie es zusammen auf die Größe einer Kartoffel und reiben Sie in sanften, kreisförmigen Bewegungen die frisch gemalte Farbe ineinander. Drücken Sie nicht zu fest auf, denn sonst wischen Sie die frische Farbe einfach wieder weg.

Vielleicht üben Sie erst mal ein wenig auf einer alten Leinwand.

Wenn Sie alles richtig gemacht haben, dann sollte Ihr Hintergrund nun einen etwas nebeligen Effekt haben, und der helle Bereich des Hintergunds gut mit dem dunklen Teil verblendet sein.

Sollte Ihnen dieser Teil des Bildes nicht gelingen, können Sie immer noch auf altbewährte Blendtechniken zurückgreifen. Einen Artikel dazu finden Sie   HIER.

Sobald Ihr Porträt anatomisch korrekt ist, können Sie bereits mit den ersten Lasuren beginnen. Auch wenn die Untermalung noch nicht abgeschlossen ist.

Lasur bedeutet hier stets: die neue Schicht Farbe muss transparent sein. Nach dem Auftragen muss diese Schicht trocknen, bevor sie sie neu übermalen können.

Auf diese Weise erzielen Sie feinste Abstufungen in den Grauwerten und geben dem Bild viel mehr Tiefe. 

Den Kimono untermale ich im Moment sehr grob. Die Blümchen auf dem Stoff spare ich aus. Das heißt, ich lasse dort einfach die weiße Leinwand stehen. Sie werden ganz zuletzt gemalt.

Nicht in der Phase der Untermalung, sondern später, wenn der Kimono die richtige Farbe erhalten hat.

Würde man die Blumen jetzt zu diesem Zeitpunkt malen, dann wäre das doppelte Arbeit. Beim Untermalen und späteren Übermalen kommt man hier und da zwangsläufig über die Konturen. Das Ergebnis: weg ist die Blume, und dann muss man sie erneut malen.

Als nächstes versuche ich, den Haaren etwas mehr Form und Farbe zu geben. Dadurch sieht mein Porträt gleich etwas kompletter aus.

Auch nun achte ich wieder auf die Wuchsrichtung des Haars. Das Haar male ich wiederum mit reinem Kasslerbraun. Und die groben Highlights mit einer Mischung aus Kasslerbraun und Titanweiß.

Nun ist auch wieder Zeit für die nächsten Lasuren auf dem Gesicht. Es hat noch längst nicht die Textur und die Weichheit, die es haben soll.

Bevor Sie allerdings mit den Lasuren beginnen, müssen Sie prüfen, ob Ihr Untergrund an der betreffenden Stelle bereits getrocknet ist. Wenn nicht, müssen Sie leider noch warten. Lasuren malen kann man nur auf trocknenem Untergrund.

Den Haaransatz heben wir uns auf für die Zeit der farbigen Übermalung. Im Moment aber legen wir dafür die Basis an. 

Was wir brauchen: einen weichen Farbübergang vom Haar in die Stirn. Dazu malen wir einfach einen Streifen aus reinem Kasslerbraun an die Stellen, an denen das Haar in die Stirn übergeht und vertreiben die Farbe mit einem weichen Lasurpinsel in beide Flächen. 

An dieser Stelle lege ich nun auch schon grobe Details der Augen an. Denn bis jetzt sind meine Augen einfach dunkle Flecke und völlig leblos.

Ich male hier auch schon mal die Augenbrauen, damit mein Gesicht etwas kompletter aussieht. Wir werden diesen Arbeitsschritt in der späteren Übermalung wiederholen müssen, weil bis dahin von den Augenbrauen nicht mehr viel übrig sein wird. Im Moment aber helfen mir die Augenbrauen, das Gesicht meiner Geisha etwas präziser zu sehen.

In dem nächsten Film werden wir die Untermalung abschließen. Also das Auftragen der ersten Farbschicht.

Wir werden ein paar Lasuren anbringen, die bis zum nächsten Tag wieder trocknen können. Und außerdem malen wir erste Details an den Augen.


Kimono: 
Denken Sie beim Lasieren des Kimonos daran, dass er aus Seide besteht. Versuchen Sie bitte, den subtilen Glanz des Stoffes bereits jetzt in diesem Stadium des Bildes wiederzugeben. 

Augen:
Wenn Ihre Augen bereits die richtige Form haben und nicht mehr korrigiert werden müssen, dann können Sie bereits erste Details anbringen. Ich lege hier mit feinen Pünktchen schon ein wenig die Struktur der Haut an. Und auch die endgültige Form der Augenlider.

Nicht zu vergessen: die Wimpern. Menschen asiatischer Abstammung haben meist eine etwas andere Wimpernform als ein Mensch europäischer Abstammung.

Während die Wimpern bei einem Europäer eher gebogen oder geschwungen sind, sind die Wimpern bei asiatischen Menschen meistens gerade. Anatomische Besonderheit, aber wichtig für unser Bild.

Ein weiteres Detail, was bereits in der Untermalung angelegt wird, ist die Struktur der Haare. Für den Moment beschränken wir uns allein auf die Highlights.

Dafür mische ich mir ein helles Grau aus Kasslerbraun und Titanweiß.

Mischen Sie auch ein paar Tropfen Liquin unter Ihre Farbe, damit sie besser fließen kann. Und damit Sie auch wirklich feine Linien malen können.

Wenn Ihnen hier und da eine Linie zu dick gerät, dann nehmen Sie einen feinen Pinsel, tauchen ihn in Ihr Terpentinöl und waschen die dicke Linie einfach weg. Sie können mit dem Terpentinpinsel die Farbe auch auf Ihrer Leinwand verschieben. 

Der Vorteil an einem so großen Bild ist, dass man es nicht wegstellen und trocknen lassen muss. Denn wenn Teile des Bildes trocknen müssen, dann malt man einfach irgendwo anders weiter.

So zum Beispiel am Haarschmuck. 

Und es ist auch an der Zeit für einige kosmetische Korrekturen.

Die Ohren meines Modells stehen sehr hoch am Kopf. Eine kleine anatomische Besonderheit. Wenn man nicht gerade ein Porträt im Auftrag malt, dann sollte man solche Abweichungen stets korrigieren. Bei den allermeisten Menschen enden die Ohren auf der gleichen Achse wie die Unterseite der Nase.

Der Mund 

Die Struktur der Lippen sieht bei jedem Menschen anders aus.

Um die Struktur der Lippen Ihres Modells gut zu erkennen, sollten Sie sich den Mund in Photoshop oder auf Ihrem Smartphone in Vergrößerung gut anschauen. Auf einem kleinen, herkömmlichen Foto erkennen Sie keine Details. 

Sie müssen sich nicht sklavisch an Ihre Fotovorlage halten - dass Ihre Struktur ein wenig anders aussieht als bei Ihrem Modell wissen nur Sie allein. Denn Sie allein kennen das Foto, nach dem Sie gearbeitet haben.

Achten Sie aber darauf, dass die Struktur plausibel aussieht, also glaubhaft. 

Nun noch die letzten Details und Feinarbeiten. 

Damit ist die Untermalung abgeschlossen. Kontrollieren Sie am Ende nochmals Ihre Tonwerte. 

Bevor Sie mit dem Übermalen beginnen, lassen Sie Ihr Bild ca. eine Woche gut trocknen.

Ende Teil 1

Im nächsten Kapitel übermalen wir die Grisaille mit Farbe.

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In dieser Übung geht es um Fell.

Kurzes Fell, langes Fell. Glänzendes Fell, stumpfes Fell.

Daher ist dieses Bild eigentlich ein MUSS für jeden, der gern Tiere malt.

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Das Malen eines schwarzen Objekts wirft manchmal Fragen auf. Wie male ich einen schwarzen Hund oder schwarze Kleidung?
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Weiche Farbübergänge

Es gibt mehrere Möglichkeiten, weiche Farbübergänge mit Ölfarben zu zaubern. 

Ich möchte Ihnen hier eine Methode vorstellen, mit der ich sehr oft arbeite. Andere Methoden finden Sie auch in meinen Videos.

Was versteht man unter Grisaille?

Eine Grisaille ist normalerweise eine Untermalung in Grautönen (daher auch das Wort Grisaille - im Französischen bedeutet es Grau in Grau).

Man kann sie in Schwarz und Weiß malen. Andere Varianten sind Verdaccio (mit Grüntönen), Brunaille (Brauntöne), Dead Color (matte, gedämpfte Formen der Erdfarben) und so weiter.