Zeichnen    |          ​​Porträt in Mischtechnik

Ein Porträt in Mischtechnik: mit Kreide, Blei- und Buntstiften sowie Acryl

Einkaufszettel

  1. Bristolkarton 50 x 70 cm
  2. Pan Pastel Schwarz
  3. Bleistifte 2 H, HB, 2B, 4B, 8 B
  4. Acrylfarben: Kadmiumgelb, Kadmiumrot mittel, Schwarz, Ultramarinblau, Titanweiß, Van Dijck Braun
  5. Buntstifte: Weiß, Grau
  6. Klarlack matt
  7. Knetgummi
  8. Tombow Mono Zero
  9. Weißer Acrylstift

1. Bildgröße

Ich würde Ihnen sehr empfehlen, diese Zeichnung wirklich im Format 50 x 60 oder 50 x 70 zu machen. Je größer Sie zeichnen, desto mehr müssen Sie sich auch mit den Details auseinandersetzen. Bei kleineren Formaten können Sie sich sehr schnell selbst beschummeln und es fällt nicht so auf, wenn das eine oder andere nicht klappt.

2. Material:

Um dieses  Tutorial wirklich gut nachzuarbeiten, sollten Sie auch die gleichen Materialien verwenden wie ich. Das richtige Papier ist superwichtig. Wenn Sie anderes Papier verwenden, dann wird Ihre Zeichnung sehr wahrscheinlich ganz anders aussehen als meine. Gönnen Sie sich gute Materialien, Ihre Zeichnungen sind es wert. 

Viel Spaß beim Nacharbeiten!

Wie jede andere Zeichnung beginnt auch diese mit einer präzisen Vorzeichnung des Porträts. Benutzen Sie dafür einen Projektor. Alternativ geht auch ein Raster, aber dann ziehen Sie ein sehr zartes Raster. Ansonsten kriegen Sie die Linien nicht mehr weg. Danach wird als erstes der Hintergrund angelegt mit PAN Pastel. Alles weitere erkläre ich im Film.

(PS: Im letzten Teil des Filmchens wird ein Link zu einem anderen Film gezeigt - eine Ausstellungseröffnung meiner Schüler aus dem Jahr 2014. Also sehr alt. Keine Ahnung, warum Youtube das macht. Wahrscheinlich kann man das irgendwo ausstellen, ich kann allerdings nichts finden. Vielleicht ist der eine oder andere unter Ihnen ein versierter YouTuber, dann wäre ich für jeden Tipp dankbar.)

Noch ein kleiner Nachtrag:

Aus der Praxis weiß ich, dass es immer Menschen gibt, die versuchen, künstlerische Prozesse abzukürzen. Manchmal aus Bequemlichkeit, manchmal wegen mangelnder Geduld. 

Also warum 2 und mehr Schichten der Unterzeichnung? Man könnte die hellen Schatten ja mit 2 H anlegen, und die dunkleren gleich mit HB oder weicher?

Die Antwort ist einfach: Jede neue Grafitschicht auf der Zeichnung macht die Struktur weicher und samtiger - das ist der Effekt, den wir brauchen. Sehr deutlich sehen Sie das auf den Fotos unten. Mit nur einer Schicht Grafit lässt sich das nicht realisieren. 

Mit anderen Worten: Wenn Sie wirklich realistisch zeichnen möchten, dann brauchen Sie dafür Geduld. Nehmen Sie sich die Zeit - es geht bei Kunst nie um Quantität, sondern um Qualität.

So sieht meine fertige Unterzeichnung aus. Nun habe ich eine bessere Vorstellung der gesamten Zeichnung und sehe auch, dass einige Stellen zu dunkel geworden sind. 

Und auch die Hautstruktur ist noch nicht schön, aber darüber hatte ich oben im Film schon gesprochen, das werden wir jetzt ändern.

Nun ist es leider so, dass man auf solchen Zeichnungen nicht wirklich radieren kann - jedenfalls keine Flächen. Das Resultat wäre eine ziemliche Schmiererei.
Um dunkle Schatten dennoch aufzuhellen, tupfe ich vorsichtig mit einem Knetgummi auf das Papier. Das funktioniert ganz gut. Der Gummi hebt lose Partikel vom Papier. Vielleicht sollten Sie das erst mal auf einem separaten Blatt Papier ein wenig ausprobieren. Neben dem Aufhellen versuche ich auch, mit einer weiteren Schicht Grafit die entstandene Struktur auf der Haut zu schließen mit einem Bleistift HB. Für die Schatten, die jetzt in dieser Phase noch verstärkt werden müssen, nehme ich nun einen Bleistift 6B. 

Nochmals etwas aufhellen und eine weitere Schicht Grafit - HB für's Gesicht, 6 B und nun auch 8B für den Hals.

Langsam bekommt das Gesicht die richtige Form, und die Haut die richtige Struktur. 

Nun bin ich eigentlich zufrieden mit meiner Hautstruktur, habe noch eine Lage daraufgesetzt, den Mund noch ein wenig korrigiert, das Auge etwas abgedunkelt und hier und da die Schatten noch etwas überarbeitet. 

Nun ist es an der Zeit, die Zeichnung zu firnissen - aber wie schon gesagt, nicht mit Firnis, sondern mit mattem Klarlack. 

Jetzt wird es spannend. Ich hatte im Film schon davon gesprochen, dass Haare nicht aussehen sollen als wären sie betoniert. 

Über dem Ohr und oben am Pony habe ich deshalb ein paar Haarsträhnen gezeichnet. Wenn Sie das Bild gut gefirnist haben, dann können Sie das mit einem weißen Buntstift tun. Bleibt eine heikle Sache, denn wenn Sie nicht genügend Firnis auf Ihrem Bild haben, dann verfärbt sich das Grafit in ein Blau.

Ich nehme aus diesem Grund einen weißen Fineliner auf Acrylbasis. Funktioniert prima, und mein Weiß bleibt weiß.

Jetzt sind die übrigen Haare an der Reihe. Mit dem weichsten Bleistift, den ich habe (9B), habe ich nun die Schatten verstärkt und die Haarstruktur dichter gezeichnet. 

Danach wird die Zeichnung wieder gefirnist.

Schauen Sie sich den Pferdeschwanz an. Dort habe ich jetzt mit einem grauen Buntstift einzelne Haare eingezeichnet. Grau deshalb, weil auf diese Stelle des Kopfes nicht so viel Licht fällt wie z. B. auf das Gesicht. 

porträt

Als letzten Schritt habe ich den Pferdeschwanz nochmals überzeichnet - für das Ende des Pferdeschwanzes können Sie nun wieder Ihren weißen Stift nehmen. Graue Linien würde man auf dem Grau des Halses nicht wirklich erkennen.

Und ich habe ein paar Lichtreflexe am Hinterkopf angebracht, auch mit einem grauen Buntstift.

Wenn Sie nun Ihren Hintergrund mit Ihrem Porträt vergleichen, dann sehen Sie, dass der Hintergrund ein stumpfes Aussehen hat. Das Porträt aber glänzt etwas vom Grafit. Stört es Sie? Dann übermalen sie Ihren Hintergrund mit Grafitpuder. Das gibt es in kleinen Fläschchen zu kaufen, und man trägt es genauso auf wie PAN Pastel, also mit einem Pinsel oder einem Schwämmchen.

Damit sind wir am Ende angelangt.

Ich gebe zu, es ist ein ziemliches Sammelsurium von verschiedenen Techniken. Mischtechnik eben - die Kombination verschiedener Materialien und Stile. 

Dieses Tutorial soll Ihnen helfen, ein wenig "Outside the box" zu denken. 

Nicht alles lässt sich mit jedem Zeichenwerkzeug realisieren. Dann kann man darüber nachdenken, ob man nicht Techniken miteinander kombiniert. 

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