Ölmalerei Level 1    |     ​​Nachmalen von Fotos oder sonstigen Abildungen

Nachmalen von Fotos oder sonstigen Abildungen

Malen und Zeichnen sind – trotz aller Gemeinsamkeiten – zwei unterschiedliche Disziplinen. 

Lange hielt sich die Vorstellung, wer nicht zeichnen könne, werde nie ein guter Maler. Das ist heute vielfach widerlegt. Genauso wenig gilt umgekehrt automatisch: Ein guter Maler ist nicht zwangsläufig auch ein guter Zeichner. 

Was beide Bereiche jedoch verbindet, ist das Entscheidende: Wahrnehmung. Sie ist die wichtigste Grundlage für Fortschritt und Qualität – noch vor Talent oder Routine. 

Die Techniken in der Malerei sind dabei in der Regel komplexer als beim Zeichnen, weil zusätzlich Materialverhalten, Schichtaufbau, Trocknungszeiten, Lasuren und Farbmischung eine große Rolle spielen.

Schon im frühen Mittelalter wurden verschiedene Methoden entwickelt, um ein Motiv in korrekter Perspektive auf eine Leinwand zu übertragen. 

Von Leonardo da Vinci ist eine ausgefeilte Perspektivtheorie überliefert, die auf mathematischen Berechnungen, optischem Wissen und geometrischen Konstruktionsverfahren basiert. 

Und um 1506 entwickelte Albrecht Dürer sogar einen Apparat, mit dem sich Perspektive besonders gut erkennen und auf den Bildträger übertragen ließ: Der Künstler arbeitet dabei mit einem quadratischen Netzrahmen, einem Zeichenblatt und einer Visierstange.

Eine spätere Erfindung, die um 1530 auftaucht, ist die Camera obscura – gewissermaßen der Vorläufer unserer heutigen Kamera.

Stell dir einen einfachen Kasten vor: vorn eine kleine Öffnung, hinten eine Fläche aus mattem Glas. Das Motiv erscheint darauf als Projektion, sodass du die wichtigsten Konturen relativ leicht nachzeichnen kannst. 

Diese Technik wurde von Künstlern über Jahrhunderte genutzt – und bei Malern wie Caravaggio und Johannes Vermeer wird der Einsatz optischer Hilfsmittel zumindest immer wieder diskutiert bzw. vermutet. 

Von Michelangelo ist eine andere, sehr handfeste Methode überliefert – besonders für große Projekte wie die Decke der Sixtinischen Kapelle: Er zeichnete seine Figuren in Originalgröße auf Karton (Kartons). 

Anschließend wurden die Kartons mit kleinen Nägeln an der Decke der Kapelle befestigt – so stand die gesamte Komposition bereits fest. Um die Zeichnungen dann auf den noch feuchten Kalkputz des Deckengewölbes zu übertragen, wurde Holzkohlepuder durch die vielen feinen Löcher gestäubt bzw. geblasen. So entstanden punktierte Konturen, an denen Michelangelo sich beim Ausmalen orientieren konnte.

Eine einfachere – und deutlich günstigere – Möglichkeit ist das Übertragen mit Saralpapier. Du bekommst es in jedem gut sortierten Künstlerbedarf. Es ist eine Art Transfer- bzw. Pauspapier, das es in verschiedenen Farben gibt. Damit kannst du dein Foto oder deine Vorlage schnell und sauber auf Leinwand oder Paneel übertragen – und anschließend direkt mit dem Malen beginnen. 

Scheue dich nicht, solche modernen Hilfsmittel zu nutzen. Wir haben diese Möglichkeiten heute zur Verfügung – warum sollten wir sie nicht sinnvoll einsetzen?

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