Home | Ölmalerei Level 2 | Ein Küken auf Eiern
Dieses Bild dreht sich um Eier – überraschend anspruchsvoll – und ein Küken.
Schau mir einfach zu und male es nach, wenn Du möchtest.
Ich habe bereits begonnen: Als Malgrund verwende ich ein Paneel.
Entscheidend ist eine sehr glatte Oberfläche ohne Unebenheiten wie bei Leinwandgewebe; je gröber der Untergrund, desto schwieriger lassen sich feine Details ausarbeiten. Das Motiv habe ich vorab mit Bleistift auf dem Paneel skizziert.
Beim ersten Anlegen des Hintergrunds gilt: Weniger ist mehr.
Überdecke die Konturen Deiner Vorzeichnung nicht – sonst verschwindet die Zeichnung, und das mühsame Nachsuchen der Linien kostet Zeit. Trage die Farbe insgesamt sparsam auf.
In der Ölmalerei gilt die Grundregel „fett auf mager“: Die unteren Schichten bleiben dünn, erst in den oberen, letzten Lagen darf die Farbe pastoser werden. Missachtest Du das, droht ein Krakelee –feine Rissbildungen in der Malfläche.
Mach Dir außerdem keine Sorgen, wenn der Hintergrund zunächst fleckig wirkt – das ist normal. Die erste Farbschicht auf Paneel oder Leinwand wirkt fast nie makellos. Sobald die erste Lage der Untermalung sitzt, lass das Bild gründlich trocknen, bevor Du weiterarbeitest.
Der Standort Deines Bildes beeinflusst die Trocknungszeit spürbar. In meinem Atelier herrschen ganzjährig etwa 20 °C – ein Vorteil, weil die Farbe meist über Nacht grifftrocken ist und ich am nächsten Morgen weiterarbeiten kann.
Sind an Deinem Malplatz stärkere Temperaturschwankungen möglich, prüfe die Trocknung sorgfältig: Tippe vorsichtig an einer unauffälligen Stelle auf das Paneel. Hast Du Farbe am Finger, Hände weg – noch ein paar Tage warten. Bleibt der Finger sauber, lege die Hand kurz flach auf: Fühlt sich die Oberfläche klebrig an, ist die Schicht noch nicht trocken.
Erst wenn nichts mehr klebt, beginnst Du mit der zweiten Phase des Hintergrunds.
Diese ist unkompliziert: Du wiederholst die Untermalung im gleichen Farbton, dünn und gleichmäßig.
Voilà – der Hintergrund beruhigt sich, Wolkigkeit und Streifen treten zurück.
Als Nächstes legst Du die Untermalung für den Tisch an: gebrannte Umbra, mit ein paar Tropfen Liquin geschmeidig eingestellt, damit sie sich sauber verstreichen lässt. Und danach heißt es erneut: trocknen lassen.
Die Grundierung des Tisches ist inzwischen gut durchgetrocknet.
Mische Dir aus Gebrannter Umbra und Titanweiß ein helleres Braun und streiche es gleichmäßig über die gesamte Tischfläche im unteren Bildbereich.
Den Rest übernimmt der Maserboy: ein kleines Werkzeug für Holzmaserungen, erhältlich im Baumarkt oder online. Presse ihn in die frische Farbe und ziehe ihn in Maserrichtung über die Fläche. Dabei entstehen feine Grate in der nassen Farbe; diese glättest Du anschließend behutsam mit einem Lasurpinsel.
So legst Du im Handumdrehen die Basis für die Holzmaserung an. ( >> Hier gibt es einen Artikel dazu )
Sobald die Maserung getrocknet ist, ist die Tischplatte an der Reihe.
Zeichne Dir zunächst mit Bleistift und Lineal die Kanten sauber vor. Aus gebrannter Umbra, etwas Goldocker und Titanweiß mischst Du ein helles Braun und streichst die Fläche der Tischplatte gleichmäßig damit ein – das ist zunächst nur die Untermalung.
Für die nächste Lage verwendest Du dieselbe Mischung, setzt aber etwas mehr gebrannte Umbra zu, um den Ton zu vertiefen.
Ist die Fläche geschlossen, stellst Du das Bild zum Trocknen beiseite. Da es sich um Holz handelt, braucht die Platte auch eine Andeutung von Struktur: Übermale die Tischplatte ein zweites Mal mit den gleichen Farben wie in der Untermalung, setze dabei willkürlich einige hellere und dunklere Streifen und verstreiche sie anschließend weich mit einem kleinen Lasurpinsel.
Die Schlagschatten der Eier legst Du mit derselben Farbe an, die bereits im Hintergrund liegt – German Earth von Williamsburg – so bleibt das Gesamtbild stimmig.
Zum Abschluss überziehst Du den unteren Bereich noch einmal vollständig mit gebrannter Umbra.
Arbeite dabei nicht pastos, sondern verdünne die Farbe mit Liquin, bis sie transparent wird. So harmoniert der untere Teil farblich mit der Tischplatte, und die zuvor angelegte Holzstruktur bleibt sichtbar, statt unter einer zu deckenden Schicht zu verschwinden.
Für die Eier mischst Du Dir einen Grundton aus Gebrannter Sienna, Titanweiß, Lichtem Ocker und etwas Paynesgrau.
Denk an die echte Farbgebung brauner Eier – leg Dir am besten ein Ei aus dem Kühlschrank neben die Staffelei und nähere Dich dem Ton so präzise wie möglich.
Aus diesem Grundton bereitest Du drei Farbtöne vor: eine mittlere Mischung für alle Mitteltöne, eine helle für die Bereiche, die das meiste Licht fangen (gleiche Bestandteile wie eben, nur mit mehr Weiß), und eine dunkle für die beschatteten Zonen (aus Paynesgrau, Gebrannter Sienna, Lichtem Ocker und nur wenig Weiß).
So bleiben alle Abtönungen in derselben Farbfamilie – die beste Voraussetzung für eine glaubhafte, harmonische Wirkung.
Wie Du siehst, trage ich die Farbe zuerst auf und tamponiere sie anschließend – dabei tupfst Du mit dem Pinsel, statt die Farbe zu verstreichen.
Vertreiben führt hier oft zu unruhigen Übergängen und erschwert ein sauberes Ergebnis. Verwende dafür einen kleinen Katzenzungenpinsel, unbedingt trocken und ohne Terpentin in den Haaren.
Wenn Du merkst, dass sich die Töne nicht mehr geschmeidig ineinander tamponieren lassen, streife den Pinsel auf einem alten Tuch gründlich ab und arbeite trocken weiter.
Am nächsten Tag – die Eier sind über Nacht grifftrocken – korrigierst Du die Konturen.
Spätestens jetzt merkst Du, warum es sinnvoll ist, von jeder Farbmischung etwas mehr anzurühren: Gerade am Anfang ist es schwierig, exakt denselben Ton ein zweites Mal zu treffen.
Nimm Dir erneut Licht und Schatten vor. Du kannst so viele Schichten setzen, wie nötig, und so lange arbeiten, bis Du das Gefühl hast: Jetzt stimmt mein Ei.
Ist der Schatten des ersten Eis noch zu hell, mische Paynesgrau mit Gebrannter Sienna und einem Hauch Weiß und vertiefe ihn gezielt.
Die Eier sind fast fertig.
Säubere die Kanten ein letztes Mal. Sind die Schichten morgen trocken, legst Du über die Übergänge zwischen Licht und Schatten eine sehr dünne Lasur aus Gebrannter Sienna und Lichtem Ocker. So werden die Verläufe ruhiger und weicher, ohne die Form zu verlieren.
Jetzt beginne ich mit dem Küken. Zuerst erhält es eine Untermalung aus Kadmiumgelb, Titanweiß und Goldocker – der Ocker bricht die Leuchtkraft des Gelbs und lässt den Ton natürlicher wirken.
Weil ich es mag, wenn ein Bild zurückblickt, setze ich dem Küken gleich das Auge: dafür nutze ich erneut German Earth, also denselben Ton wie im Hintergrund.
Aus der Grundmischung für das Federkleid (Titanweiß, Kadmiumgelb, Goldocker) bereite ich mehrere Modulationen vor: hellere Varianten entstehen mit etwas mehr Weiß, für die Schattenmischungen vertiefe ich den Ton.
Helles Gelb dunkelt man nicht mit Schwarz ab, sondern mit einem Hauch Kadmiumrot und zusätzlicher gebrannter Umbra. So kannst Du Dir beliebig viele, fein abgestufte Schatten mischen, ohne den Charakter des Gelbs zu verlieren. Würdest Du stattdessen mit einer „fremden“ Farbe arbeiten – etwa Umbra natur direkt aus der Tube –, wirkte das Küken wie aus Einzelteilen zusammengesetzt.
Darin steckt eine grundsätzliche Lektion: Arbeite stets mit einer Farbfamilie. Lege einen mittleren Ton an, den Du nach Bedarf aufhellst oder durch Zugabe Deiner dunkleren Bestandteile stufenlos abdunkelst. Dieses Prinzip sorgt in jedem Bild für stimmige, natürliche Übergänge.
Das Küken lasse ich nun über Nacht trocknen und widme mich wieder dem Tisch.
Die Schlagschatten der Eier sind noch etwas blass; ich vertiefe sie mit derselben Farbe wie im Hintergrund, also German Earth, und säubere bei der Gelegenheit die Konturen der Eier.
Auch die Holzstruktur verdient noch etwas Aufmerksamkeit: Erinnerst Du Dich an die Untermalung aus gebrannter Umbra und Titanweiß? Genau diese Mischung setze ich erneut ein, diesmal mit etwas mehr Weiß. Damit ziehe ich lockere, unregelmäßige, hellere Linien über die Tischplatte – ruhig aus dem Handgelenk, gern auch einmal mit der „falschen (der linken)“ Hand, damit es organischer wirkt – und verblende sie anschließend mit einem trockenen Pinsel. So entsteht eine lebendige, glaubwürdige Maserung.
Ein Tag ist vergangen, das Küken ist trocken – Zeit für die ersten „Federn“.
Dafür nimmst Du dieselbe Mischung wie für die Untermalung, nur mit etwas mehr Weiß: Der Ton muss etwas heller sein als das Grundgelb, sonst treten die Strukturen nicht hervor.
Gemalt werden übrigens keine echten Federn, sondern feinste Härchen. Am besten gelingt das mit einem sehr feinen Pinsel; ich nutze einen Kolinsky-/Rotmarder-Pinsel in Größe 0. Mit Naturhaar arbeitest Du in der Regel präziser als mit Synthetik.
Setze die Härchen nicht dicht an dicht – ein wenig Untermalung soll stets sichtbar bleiben. So entsteht der Härchen-Effekt. Die hellen Härchen liegen dort, wo auch die Untermalung hell ist; in den dunkleren Bereichen malst Du sie entsprechend eine Nuance dunkler.
Grundregel: Die Härchen sind immer einen Hauch heller als die jeweilige Untermalung – gelegentliche, gezielte Abweichungen ins Dunklere sind möglich und kommen im späteren Verlauf noch vor.
Ist diese Schicht abgeschlossen, trocknen lassen.
Zurück zum Tisch: Auch die Schattenseite der Tischplatte braucht eine glaubhafte Holzmaserung. Das ist simpel: Ziehe mit Gebrannter Umbra eine freie, nicht zu gerade Linie. Tauche anschließend einen kleinen Katzenzungenpinsel in etwas Liquin und wasche an einer Seite der Linie die Farbe leicht aus. So entsteht im Handumdrehen eine natürliche Maserung mit Tiefe.
Wieder ist ein Tag vergangen: Zeit für die nächste Federschicht – eine Nuance heller als gestern.
Jetzt verbinde ich die Licht- und Schattenzonen über eine „Brücke“: eine Zwischenfarbe, nicht so dunkel wie die Schattenmischung, aber auch nicht so hell wie die stärksten Lichter – genau dazwischen. Anschließend muss das Küken erneut trocknen.
Zur Schattenseite der Tischplatte: Ich übermale sie vollständig mit Gebrannter Umbra, zuvor mit ein paar Tropfen Liquin verdünnt. So bleibt die Schicht transparent und die zuvor angelegte Holzstruktur scheint sauber durch.
Den restlichen Tisch arbeite ich ebenso nach wie gestern die Platte: Unter die mit dem Maserboy gezogenen Linien setze ich eine etwas dunklere Linie (Gebrannte Umbra) und wasche sie auf einer Seite leicht aus. Das gibt der Maserung Tiefe und einen natürlichen Verlauf.
Zeit für den letzten Schliff am Küken – na gut, fast. Jetzt kommen die feinsten Federn und die kleinsten Details.
Der Film ist leider etwas überbelichtet, daher wirkt manches heller, als es tatsächlich ist.
Frag Dich zum Abschluss: Wirkt das Federkleid wirklich wie ein Federkleid – oder erinnert Dein Küken noch an ein gerupftes Huhn? Dann sind Deine Härchen vermutlich nicht fein genug gesetzt: arbeite dichter, kürzer und überlappend, ohne die Untermalung ganz zuzukleistern.
Prüfe außerdem, ob die Übergänge zwischen Licht und Schatten weich fließen.
Fehlt es daran, brauchst Du mehr Brückenfarben – also Zwischenwerte zwischen Schattenmischung und den hellsten Lichtern. So gewinnt das Küken Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit.
Home | Ölmalerei Level 2 | Ein Küken auf Eiern