Kunstakademie Artis
Du bist hier: Home | Zeichnen | High Key und Low Key beim Zeichnen – mit Graustufen Stimmung, Tiefe und Fokus erzeugen
Wer realistisch zeichnen lernen möchte, denkt anfangs oft zuerst an Proportionen, Formen und Details. Doch ein Bild lebt nicht nur von der richtigen Zeichnung. Es lebt vor allem vom Licht. Von Helligkeit und Dunkelheit. Von den feinen Abstufungen dazwischen. Genau hier kommen High Key und Low Key ins Spiel. Diese Begriffe stammen ursprünglich aus der Fotografie, sind für das Zeichnen aber ebenso wichtig. Sie beschreiben den Tonwertbereich eines Bildes – also die Frage, ob eine Zeichnung überwiegend hell, überwiegend dunkel oder ausgewogen aufgebaut ist. Wenn Du verstehst, wie High Key und Low Key funktionieren, wirst Du Deine Zeichnungen bewusster gestalten können. Du kannst damit Stimmung erzeugen, den Blick lenken und Deinem Bild mehr Ausdruck verleihen.
Ein High-Key-Bild bewegt sich vor allem in hellen Graustufen. Solche Zeichnungen wirken oft leicht, weich, freundlich, luftig oder still. Sie haben etwas Zartes, manchmal sogar etwas Traumhaftes. Ein Low-Key-Bild dagegen lebt von dunklen Tonwerten. Es wirkt häufig dramatischer, geheimnisvoller, ruhiger oder ernster. Dunkle Zeichnungen besitzen oft mehr Tiefe und eine stärkere emotionale Spannung. Beides kann wunderschön sein. Entscheidend ist nicht, ob ein Bild hell oder dunkel ist, sondern ob Du diese Wirkung bewusst einsetzt.
Hier ist ein Beispiel für einen geänderten Key. Das Foto links ist unverändert und bei dem rechten habe ich den Key verändert. Ich habe es abgedunkelt und auch den Hintergrund entfernt. Der hat keinerlei Bedeutung für mein Bild, fügt nichts hinzu, also kann er weg. Zweimal das gleiche Bild, und doch ist die Wirkung und die Ausstrahlung jedes Bildes völlig anders. Durch Veränderung der Graustufen kann man die Stimmung, den Fokus und die Komposition einer Zeichnung beeinflussen.
Diese Zeichnung ist von Ashley Richards. Hier fehlen alle Keys. Ob das aus Unkenntnis geschehen ist oder sehr bewusst, kann ich nicht sagen.
Diese Zeichnung ist von Dirk Dzimirsky. Hier wurde sehr bewusst über die Key-Werte nachgedacht. Du siehst selbst, dass dieses Porträt viel spannender und viel realistischer wirkt als das Porträt links.
Viele Anfänger bleiben unbewusst in einem mittleren Grau hängen. Die Zeichnung enthält dann weder wirklich leuchtende Lichter noch überzeugende Tiefen. Alles wirkt ein wenig flach, vorsichtig oder unentschlossen. Doch genau die Tonwerte machen eine Zeichnung glaubwürdig. Sie modellieren Form. Sie schaffen Raum. Sie lassen Materialien fühlbar werden. Sie bestimmen, ob eine Zeichnung still und sanft wirkt oder kraftvoll und dramatisch. Ohne klare Graustufen fehlt einem Bild oft die innere Spannung. Man könnte auch sagen: Die Linien beschreiben das Motiv – aber die Tonwerte geben ihm Leben.
Tonwerte haben eine starke emotionale Wirkung. Mit einem hellen, lichten Bild kannst Du Ruhe, Leichtigkeit und Offenheit ausdrücken. Mit einer dunkleren Zeichnung kannst Du Tiefe, Melancholie, Spannung oder Intimität erzeugen. Gerade bei Landschaften, Stillleben und Porträts ist das von großer Bedeutung. Über die Verteilung von Hell und Dunkel kannst Du Tageszeiten andeuten, Jahreszeiten spürbar machen oder einem Gesicht eine bestimmte Atmosphäre verleihen. Nicht nur das Motiv erzählt also etwas – auch das Licht erzählt mit.
Jono Dry
Verlassen Sie sich nicht zu sehr auf Ihre Fotovorlage Kameras sehen anders als wir. Kameras können nicht alle Werte aufzeichnen, die unsere Augen sehen können, insbesondere an beiden Enden der Tonwert-Skala (Hell bzw. Dunkel). Sie können die Details in den Schattenbereichen oft nicht erfassen und produzieren stattdessen einen schwarzen Fleck. Und auch bei Glanzlichtern sieht es ähnlich aus - die werden oft zu hell.
High Key und Low Key beeinflussen nicht nur die Stimmung, sondern auch die Komposition. Helle und dunkle Flächen besitzen ein optisches Gewicht. Große dunkle Partien wirken oft schwer und erdend, helle Flächen eher leicht und offen. Wenn diese Gewichte gut verteilt sind, wirkt eine Zeichnung harmonisch. Wenn sie unausgewogen sind, kann ein Bild kippen oder unruhig erscheinen. Darum lohnt es sich, schon vor dem Zeichnen darüber nachzudenken, wo die hellsten Lichter und wo die tiefsten Schatten liegen sollen.
Viele Künstler arbeiten mit Referenzfotos. Das ist völlig in Ordnung. Trotzdem solltest Du wissen: Eine Kamera sieht nicht so wie das menschliche Auge. Oft gehen in sehr dunklen Schatten wichtige Informationen verloren. Statt feiner Abstufungen zeigt das Foto nur noch eine schwarze Fläche. Auch helle Stellen können zu grell werden und ihre Form verlieren. Wenn Du also nach Foto zeichnest, solltest Du Dich nicht sklavisch an jede Vorlage halten. Sie ist eine Hilfe – aber nicht Dein Herrscher. Du darfst korrigieren, vereinfachen, verstärken und verändern, damit Deine Zeichnung überzeugender wird.
Als moderner Künstler kommst Du nicht an einem Bildbearbeitungsprogramm vorbei. Es gibt zahlreiche kostenlose Bildbearbeitungsprogramme, suche mal im Internet danach. Ich selbst benutze Photoshop, um meine Bilder zu entwerfen. Hier sind deshalb einige Tipps für Photoshop, aber die Steuerelemente sollten in allen Bildbearbeitungsprogrammen eigentlich ähnlich sein. Erstelle immer eine Kopie des Bildes und arbeite mit der gespeicherten Kopie. So passt Du den Kontrast in Photoshop an: Bild > Anpassungen > Helligkeit / Kontrast Spiele einfach ein bisschen mit den Schiebereglern und achte darauf, was mit Deinem Foto passiert. Manchmal reicht eine kleine Anpassung mit einem dieser Schieberegler aus, um aus einem guten Referenzfoto ein großartiges zu machen. So passen Sie Kurven in Photoshop an Bild > Anpassungen > Kurven Du siehst nun eine abgewinkelte Linie über einem Raster. Ein Ende der Linie steuert die Dunkelheit, das andere Ende steuert die Lichter und der mittlere Teil steuert die mittleren Werte. Klicke mal in die Kurve und schiebe diese Linie etwas nach oben oder nach unten. Achte darauf, was währenddessen mit Deinem Bild passiert. Deine Augen sollten vor Freude über die neu entdeckten Möglichkeiten jetzt funkeln. Normalerweise helle ich die Dunkelheit oder die Mittelwerte auf, aber manchmal helle ich auch die Lichter auf, wenn das Bild kontrastreich funkeln und glitzern soll.
Für Graphit- und Kohlezeichnungen sind die richtigen Tonwerte von zentraler Bedeutung. Mit ihnen beschreibst Du Licht, Schatten, Form, Struktur, Material und Atmosphäre zugleich. Je häufiger Du zeichnest, desto feiner wird Dein Gespür dafür, was ein Bild braucht. Manche Motive verlangen nach weichen, hellen Abstufungen. Andere brauchen starke Kontraste und tiefe Dunkelheiten. Beides ist richtig – wenn es der Wirkung des Bildes dient. Das eigentliche Ziel ist nicht, einfach nur eine Vorlage nachzuzeichnen. Das Ziel ist, bewusst zu sehen und bewusst zu entscheiden.
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Warum wirken manche Zeichnungen lebendig, plastisch und überzeugend, während andere trotz sauberer Linien flach bleiben? In vielen Fällen liegt der Unterschied nicht an der Anatomie, nicht am Motiv und auch nicht am Detailgrad – sondern an den Tonwerten. Wer zeichnen lernen möchte, kommt an diesem Thema nicht vorbei.
Glas ist ein stilles, faszinierendes Motiv. Es besitzt kaum eigene Farbe und lebt doch ganz von dem, was um es herum geschieht: vom Licht, vom Schatten, von Spiegelungen und feinen Reflexen. Gerade deshalb ist es so lehrreich.
Kein Mensch wird als Aktzeichner geboren. Und einen guten Akt zu zeichnen oder zu malen hat auch nichts mit Talent zu tun, sondern ist das Ergebnis profunder Kenntnisse des menschlichen Körpers und seiner Anatomie sowie jahrelanges Üben. Lerne, die menschliche Figur mit dem rohen Skelett zu konstruieren. Eine einfache Methode für Anfänger, um Anatomie, Winkel und Proportionen im Aktzeichnen besser zu verstehen.
Die Arbeit mit Buntstiften bietet erstaunlich viele Möglichkeiten. Mit der richtigen Technik lassen sich zarte Verläufe, satte Farben und beeindruckend realistische Zeichnungen erzeugen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Qualität der Stifte, sondern vor allem die Frage, wie gut Du die Farben miteinander verbinden kannst. Ein zentrales Thema beim Zeichnen mit Buntstiften ist deshalb das Verblenden, also das weiche Mischen von Farben.