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Aktzeichnen lernen - Lektion 2: Figur in einfachen Formen

In der letzten Lektion ging es um das >> Zeichnen des rohen Skeletts als Grundlage für das Aktzeichnen. Nun folgt der nächste wichtige Schritt: die menschliche Figur in einfache Grundformen zu zerlegen.

Wenn Du lernen möchtest, einen Akt zu zeichnen, dann kommst Du an den Proportionen nicht vorbei. 

Genau hier beginnen die meisten Schwierigkeiten: Der Kopf wird zu groß, die Beine zu lang, der Torso zu klein – und schon schleicht sich Frust ein. Das ist ganz normal. 

Fast jeder, der sich ernsthaft mit der menschlichen Figur beschäftigt, kennt dieses Problem. 

Mir hat es sehr geholfen, den Körper gedanklich zuerst in wenige, einfache Formen zu zerlegen und dabei eine feste Reihenfolge einzuhalten. Das macht die Figur überschaubarer und nimmt ihr ein gutes Stück von ihrem Schrecken. 

Die eigentliche Herausforderung dieser Übung ist, dass Du Deinen Blick ein wenig umerziehen musst. Weg vom Detail. Weg von Fingern, Gesichtszügen und einzelnen Muskeln. 

Hin zu den großen Linien, den Winkeln und den grundlegenden Formen. Schau Dein Modell aufmerksam an und verbringe deutlich mehr Zeit mit dem Sehen als mit dem Zeichnen. 

Ein großer Teil dieser Übung besteht darin, das Modell wirklich zu studieren: seine Haltung, die Richtung der Linien, die entstehenden Formen und die Winkel. Wenn Du nur auf Dein Papier blickst, zeichnest Du am Ende eher aus der Erinnerung – und genau darum geht es hier nicht.

Figur

1. Beginne mit dem Torso

Starte mit dem größten und wichtigsten Teil der Figur: dem Torso.
Arbeite zunächst ganz grob und verliere Dich nicht in Einzelheiten. Je nach Haltung erinnert der Torso oft an eine einfache, organische Form – fast wie eine Erdnuss. Wenn Du diese Grundform erkennst, hast Du bereits ein starkes Fundament gelegt.

2. Suche die Außenlinien der Beine

Danach suchst Du die äußeren Begrenzungen der Beine. Wichtig ist dabei: Die Beine beginnen an der Hüfte – nicht irgendwo darunter. 
Achte also darauf, den Ursprung richtig zu setzen, damit die Proportionen glaubwürdig bleiben.

3. Ergänze die Fußlinie

Als Nächstes kommt die Fußlinie hinzu.
Erst durch sie werden die Beine als vollständige Form lesbar und bekommen einen sicheren Stand im Bild.

4. Setze den Kopf

Erst danach folgt der Kopf.

Das mag zunächst ungewohnt erscheinen, ist aber sehr sinnvoll: Wenn der große Körperbau bereits stimmt, lässt sich der Kopf leichter in die richtige Größe und Position bringen.

5. Die Arme sind optional

Die Arme kannst Du hinzufügen – musst es aber nicht.

Gerade am Anfang darfst Du es Dir einfacher machen. Es ist völlig in Ordnung, Dich zunächst nur auf Torso, Beine und Kopf zu konzentrieren. 

Entscheidend ist, dass die Figur als Ganzes funktioniert. 

So hast Du nun Deine Basis geschaffen.
Die Figur ist da.

Jetzt darf es etwas genauer werden

Ab diesem Punkt kannst Du Deinen Blick langsam mehr für die Details öffnen.

Frage Dich: 


Welche Linien fehlen noch? 
Wo muss eine Form noch präziser werden? 
Welche Übergänge sind noch unklar? 

Wichtig ist dabei, dass Deine einfachen Formen weich und gerundet bleiben. Vermeide harte Ecken und starre Konstruktionen. Der menschliche Körper besteht nur selten aus geraden Linien – er lebt von Übergängen, Bögen und fließenden Bewegungen. 

Versuche außerdem, mit durchgehenden Linien zu zeichnen. Hebe den Bleistift nicht nach jeder kleinen Strecke vom Papier. Lass die Linie ruhig einmal weiterlaufen. Das bringt mehr Rhythmus in Deine Zeichnung und hilft Dir, die Form als Ganzes zu erfassen, statt sie in kleine Stücke zu zerlegen. 

Arbeite erst leicht, dann entschlossen 


Wenn Dir das Finden der Form schwerfällt, beginne mit einem harten Bleistift und ziehe zunächst nur zarte, suchende Linien. Sobald Du das Gefühl hast, dass die Umrisse stimmen und die Proportionen sitzen, kannst Du diese Linien mit einem weicheren Bleistift klarer herausarbeiten. 

Versuche jedoch, nicht jedes einzelne Körperteil vollständig zu umranden. Eine Zeichnung, die überall nur aus Konturen besteht, wirkt oft steif und unbeweglich. Schöner ist es, wenn die Figur atmen darf – wenn manche Linien klar gesetzt sind und andere nur angedeutet bleiben.

Übung macht den Blick frei

Diese Technik lohnt sich immer dann, wenn Du Gelegenheit hast, nach Modell zu zeichnen. Je öfter Du die Figur auf diese Weise in einfache Formen zerlegst, desto sicherer wird Dein Blick für Proportionen, Bewegungsrhythmus und Körperbau. 

Mit der Zeit wirst Du merken, dass Du nicht mehr verzweifelt nach Einzelheiten suchst, sondern zuerst das Ganze erkennst. Und genau das ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu einer überzeugenden Figurenzeichnung.

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