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Buntstifte verblenden – Farben weich mischen und harmonische Übergänge schaffen

Die Arbeit mit Buntstiften macht nicht nur Spaß – sie bietet auch erstaunlich viele Möglichkeiten. Mit der richtigen Technik lassen sich zarte Verläufe, satte Farben und beeindruckend realistische Zeichnungen erzeugen. 

Entscheidend ist dabei nicht nur die Qualität der Stifte, sondern vor allem die Frage, wie gut Du die Farben miteinander verbinden kannst. Ein zentrales Thema beim Zeichnen mit Buntstiften ist deshalb das Verblenden, also das weiche Mischen von Farben. 

Genau hier trennt sich oft eine einfache Farbstiftzeichnung von einer wirklich ausdrucksstarken Arbeit.

Warum das Blenden mit Buntstiften so wichtig ist

Buntstifte hinterlassen zunächst sichtbare Striche und eine eher trockene Oberfläche. 

Das ist ganz normal. Erst durch das geschickte Übereinanderschichten, Verdichten oder Anlösen der Farbschichten entstehen ruhige Flächen, weiche Übergänge und ein malerischer Gesamteindruck. 

Wer mit Buntstiften realistisch arbeiten möchte, kommt am Thema Blending deshalb kaum vorbei. Es sorgt dafür, dass Farben nicht hart nebeneinanderstehen, sondern miteinander verschmelzen.

Das richtige Papier für weiche Farbübergänge

Gute Ergebnisse beginnen schon beim Papier. Nicht jedes Zeichenpapier eignet sich gleichermaßen für Buntstifte. Wichtig ist eine Oberfläche, die genug Struktur besitzt, um mehrere Farbschichten aufnehmen zu können, ohne dabei grob zu wirken. 

Für Anfänger sind spezielle Papiere für Farbstifte oft eine gute Wahl. 

Sehr beliebt sind beispielsweise Blöcke von Strathmore. Ebenfalls gut geeignet ist Bristol-Papier. 

Mein persönlicher Favorit ist Bristol von Fabriano. Es ist glatt genug für feine Details, aber nicht ganz so rutschig wie manch andere sehr glatte Sorten. 

Grundsätzlich gilt:


Je glatter das Papier, desto sauberer lassen sich Details zeichnen.

Je mehr Struktur das Papier hat, desto mehr Farbschichten kann es aufnehmen. Am besten probierst Du verschiedene Papiere aus. Gerade beim Blenden macht das einen spürbaren Unterschied.

Auch die Buntstifte selbst spielen eine große Rolle

Nicht alle Buntstifte verhalten sich gleich. 

Manche sind trocken und eher hart, andere weich, wachsig und deutlich geschmeidiger. Entsprechend unterschiedlich reagieren sie beim Mischen und Verblenden. 

Auch innerhalb einer einzigen Marke gibt es Unterschiede. Das liegt daran, dass einzelne Pigmente ganz unterschiedlich beschaffen sind. Manche Farben wirken beim Auftragen deckender, andere transparenter. 

Einige lassen sich wunderbar ineinanderziehen, andere bleiben eher körnig oder stumpf. Gerade bei hochwertigen Buntstiften wirst Du schnell merken, dass jede Farbe ihren eigenen Charakter hat. Es lohnt sich also, nicht nur die Marke kennenzulernen, sondern auch das Verhalten der einzelnen Farbtöne.

1. Farben durch Schichten verblenden

Farbschichten überlagern 

Die kleine Abbildung zeigt es eigentlich schon: 

Die einfachste Methode ist das Blenden allein mit den Buntstiften selbst. Dabei legst Du mehrere Farbschichten übereinander. Dort, wo eine Farbe kräftig erscheinen soll, trägst Du sie dichter und mit mehr Druck auf. In den Übergangsbereichen arbeitest Du leichter und transparenter. Anschließend setzt Du die zweite Farbe darüber oder daneben und lässt beide Bereiche sanft ineinanderlaufen. Diese Methode ist besonders kontrollierbar und für Anfänger gut geeignet. Allerdings braucht sie Geduld. Wenn zu früh mit zu viel Druck gearbeitet wird, wirkt das Ergebnis schnell hart und etwas stumpf. Viel schöner werden die Übergänge, wenn Du mit mehreren leichten Schichten arbeitest.

Trockenblenden mit Hilfsmitteln

Beim Trockenblenden arbeitest Du ohne Lösungsmittel, aber mit zusätzlichen Werkzeugen. Dazu gehören zum Beispiel farblose Blenderstifte, Burnisher oder einfache Hilfsmittel aus dem Haushalt.

1. Blenderstifte und Burnisher

Es gibt spezielle Stifte, die das Verblenden übernehmen. Sie enthalten selbst keine Farbe, helfen aber dabei, Pigmente miteinander zu verbinden und die Oberfläche glatter erscheinen zu lassen. Einige Blender funktionieren sehr gut, andere weniger überzeugend – das hängt nicht zuletzt von der verwendeten Buntstiftmarke ab. Manche Produkte eignen sich eher zum sanften Mischen, andere mehr zum Verdichten und Polieren der Farbschicht.

Blenden

Cretacolor Lightning

Diesen Stift kannte ich bisher nur vom Zeichnen mit Bleistiften. Man setzt ihn ein, um nachträglich Lichtakzente in seine Zeichnung zu bringen, er hellt das Graphit auf. Tatsächlich aber funktioniert er auch prima als Blender für Buntstifte.

Blenden

Caran D'Ache Full Blender

Eigentlich denkt man beim Namen 
Caran D'Ache an ausgezeichnete Qualität. Dieser Blender hat mich allerdings nicht überzeugt, leider.

Blenden

Derwent Burnisher

Auch den Burnisher habe ich bislang nur bei Bleistiftzeichnungen eingesetzt, um Teile der Zeichnung zu blenden und abzudunkeln. Für Buntstifte allerdings ist er nur in Maßen geeignet - es gibt bessere Alternativen.

2. Trockenblenden

Was viele überrascht: Auch einfache Haushaltsgegenstände können hilfreich sein. 

Ein Stück Papiertuch oder ein altes weiches Handtuch eignet sich durchaus, um Farbstiftflächen etwas zu glätten und Pigmente sanft zu verreiben. Das funktioniert, ist aber eher mühsam und nicht besonders präzise.

Eine interessante neuere Möglichkeit ist Blending-Puder. Dabei wird ein Estompen oder Papierwischer in das Puder getaucht und anschließend zum Verblenden der Farbschichten benutzt. 

Die Anwendung ist einfach, und die Ergebnisse können erstaunlich gut sein. Vor allem größere Flächen lassen sich damit weich und gleichmäßig bearbeiten. Wer häufiger mit Buntstiften arbeitet, sollte diese Methode ruhig einmal ausprobieren.

Dieses Puder ist leider noch nicht in deutschen Künstlerbedarfsgeschäften angekommen, man kann es aber leicht über Amazon beziehen.

3. ​Buntstifte mit Lösungsmitteln verblenden

Die dritte Möglichkeit ist das Blenden mit Lösungsmitteln. 

Dabei wird das Bindemittel der Farbstiftschicht angelöst, sodass die Pigmente weicher ineinanderfließen. Auf diese Weise lassen sich besonders malerische, fast gemalt wirkende Flächen erzeugen. 

Wichtig ist dabei vor allem eins: Immer zuerst testen. 

Bevor Du irgendein Lösungsmittel auf Deiner Zeichnung verwendest, probiere es unbedingt auf einem Reststück desselben Papiers aus. 

So siehst Du sofort, wie stark das Papier reagiert und ob es die Behandlung gut verträgt. Nichts ist ärgerlicher, als wenn sich das Papier wellt, verzieht oder fleckig wird. Außerdem kannst Du auf diese Weise prüfen, wie verschiedene Farben auf das jeweilige Medium reagieren.

Blenden mit Lösungsmitteln: Alkohol

Alkohol gehört zu den milderen Möglichkeiten des Flüssigblendens. Er kann Farbschichten leicht anlösen und sorgt oft für ein weicheres, etwas aquarellartiges Aussehen. Je nach Produkt und Papier kann das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen. Deshalb ist ein Probestück hier besonders wichtig.

Blenden Meltz

Holbein Meltz

Aus Japan kommt dieser Blender. Es gibt ihn als Stift und auch auch in flüssiger Form (man taucht die Spitze eines Estompens in die Flüssigkeit und blendet dann mit dem Estompen). Mit dem Holbein Meltz verblendete Flächen erhalten ein aquarellartiges Aussehen.

Rubbing Alcohol

Eigentlich ein Alkohol zum Reinigen von verschmutzten Flächen. 
Funktioniert aber auch gut als Blender für Buntstifte.

Gibt es leider - wie auch den Holbein Meltz - nicht im deutschen Fachhandel. Nur über Amazon. Aber vielleicht gibt es ja auch eine deutsche Alternative, einfach mal im Baumarkt fragen.

Blenden Alkohol

Lösungsbenzin zum Verblenden

Auch geruchsarme Lösungsmittel oder Lösungsbenzine werden von vielen Farbstift-Zeichnern verwendet. 

Sie lösen das Bindemittel stärker an als Alkohol und erzeugen meist sehr gleichmäßige Übergänge. Dabei solltest Du unbedingt auf gute Belüftung achten und sparsam arbeiten. Zu viel Flüssigkeit kann dem Papier schaden und die Oberfläche unnötig belasten.

Blenden mit Waschbenzin

Waschbenzin

Auch Waschbenzin eignet sich zum Blenden.

Man sollte es allerdings nur in gut durchlüfteten Räumen verwenden.




GAMSOL

Sehr populär unter Buntstift-Zeichnern ist GAMSOL Odorless Mineral Spirits, leider ist auch dieses nicht in Deutschland erhältlich.

Blenden mit Gamsol

Terpentin und ähnliche Produkte

Terpentin und terpentinähnliche Mittel können ebenfalls zum Verblenden eingesetzt werden. Sie arbeiten kräftig, sind aber nicht immer ideal für Papier. 

Manche Produkte hinterlassen einen leicht speckigen Eindruck oder ziehen stark in den Untergrund ein. Deshalb sollte man hier besonders vorsichtig sein. Nicht jedes Papier verträgt solche Mittel gut, und nicht jede Zeichnung profitiert davon.

Blenden mit Terpentinöl

Terpentin

Terpentin eigent sich auch gut, ebenso wie Terpentin-Ersatz. Der Nachteil allerdings besteht darin, dass Terpentin auch Öle enthält, die das Papier oft etwas speckig werden lassen. 

Zest It

Kommt aus Großbritannien und ist ein relativer Neuling auf dem Markt: Zest It. Mein absoluter Favorit. 

Riecht angenehm, macht keinen schweren Kopf, lässt sich hervorragend verarbeiten und das Ergebnis ist super. Ich brauche keine anderen Blender mehr.

Blenden mit Zest it

Welche Blending-Methode ist die beste?

Die eine perfekte Methode gibt es nicht. Welche Technik für Dich am besten funktioniert, hängt von mehreren Faktoren ab:
 
- von Deinem Papier
- von der Buntstiftmarke
- von den verwendeten Farben
- von der Größe der Fläche
- und natürlich vom gewünschten Ergebnis
  
Wenn Du feine Kontrolle möchtest, sind Schichtungen mit dem Stift oft ideal. Wenn Du glattere Oberflächen suchst, können Blenderstifte oder Burnisher nützlich sein. Und wenn Du besonders weiche, malerische Übergänge erzeugen möchtest, lohnen sich Flüssigblender.

Ein wichtiger Fehler: zu früh zu fest aufdrücken

Einer der häufigsten Fehler beim Arbeiten mit Buntstiften ist zu hoher Druck in einer zu frühen Phase. 

Wenn Du das Papier gleich zu Beginn „zudrückst“, kann es kaum noch weitere Farbschichten aufnehmen. Das erschwert späteres Mischen und Verblenden erheblich. 

Besser ist es, die Farbe langsam aufzubauen – mit Geduld, leichten Schichten und zunehmender Verdichtung erst gegen Ende.

Fazit: Buntstifte können weit mehr, als man denkt

Buntstifte sind ein erstaunlich vielseitiges Medium. 

Wer lernt, Farben sauber zu schichten, weich zu verblenden und die passenden Materialien auszuwählen, kann mit ihnen weit mehr erreichen als nur einfache Zeichnungen. Ob Du lieber trocken arbeitest oder mit Lösungsmitteln experimentierst: Gute Ergebnisse entstehen vor allem dann, wenn Du Papier, Stifte und Blender aufeinander abstimmst und Dir die Zeit nimmst, verschiedene Methoden auszuprobieren. 

Denn genau darin liegt der Schlüssel: Nicht nur gute Materialien machen den Unterschied, sondern das Verständnis dafür, wie Du sie einsetzt.

Häufige Fragen zum Verblenden mit Buntstiften

Kann man Buntstifte ohne Blender verblenden? 

Ja, das geht. Schon durch das Übereinanderschichten mehrerer leichter Farbschichten lassen sich schöne Übergänge erzeugen. Diese Methode braucht allerdings etwas Geduld. 

Welches Papier eignet sich am besten für Buntstifte?
 

Gut geeignet sind Papiere mit feiner, aber aufnahmefähiger Oberfläche, zum Beispiel Bristol oder spezielle Colored-Pencil-Papiere. 

Was ist besser: trocken blenden oder mit Lösungsmittel?
 

Beides hat Vorteile. Trockenblenden ist kontrollierter und unkomplizierter. Lösungsmittel erzeugen dafür oft weichere und malerischere Effekte. 

Warum lassen sich manche Farben besser verblenden als andere?
 

Das hängt mit dem jeweiligen Pigment und dem Bindemittel zusammen. Manche Farben sind trockener, andere weicher oder deckender.

Freiwillige Spende

Wenn dir die kostenlose Malschule Spaß macht: ich freue mich über jeden, der mir ’ne virtuelle Münze in den Farbkasten wirft: ein kleiner Beitrag für Terpentin, Farben & gute Laune.

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