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Untermalung in der Ölmalerei: Warum sie Deinen Bildern Tiefe, Sicherheit und Leuchtkraft gibt

UntermalungWas ist eine Untermalung? 

Eine Untermalung ist die erste malerische Anlage Deines Ölbildes. Sie liegt unter den späteren Farbschichten und bildet sozusagen das Fundament, auf dem Dein Bild aufgebaut wird. Dabei geht es noch nicht darum, jedes Detail fertig zu malen. 

Eine gute Untermalung klärt vor allem die wichtigen Grundlagen:
 
Wo liegen Licht und Schatten?
Stimmen die großen Formen?
Funktioniert die Komposition?
Sind die Tonwerte überzeugend?
Hat das Bild bereits Tiefe und Raum?
Trägt der Aufbau das spätere Motiv?
  
Man könnte sagen: Die Untermalung ist das stille Gerüst unter der sichtbaren Farbe. Später sieht man sie vielleicht kaum noch direkt, aber sie wirkt trotzdem weiter. Sie hält das Bild zusammen, gibt ihm Tiefe und macht den weiteren Malprozess kontrollierbarer. 
Gerade in der realistischen Ölmalerei ist die Untermalung deshalb ein wunderbares Werkzeug. Sie hilft Dir, ein Bild nicht sofort mit Farbe, Details und Material zu überladen, sondern Schritt für Schritt zu entwickeln.

Warum ist eine Untermalung in der Ölmalerei so sinnvoll?

Viele Anfänger möchten sofort „richtig“ malen. 

Sie setzen die ersten Farben auf die weiße Leinwand und versuchen gleichzeitig Zeichnung, Form, Tonwerte, Farbe, Licht, Schatten und Details zu lösen. 

Das ist ziemlich viel auf einmal. Eine Untermalung nimmt Dir genau diesen Druck. 

Sie trennt den Malprozess in verständliche Schritte. Zuerst kümmerst Du Dich um Form, Komposition und Tonwerte. Erst danach kommt die Farbe dazu. 

Das klingt vielleicht nach einem Umweg. In Wirklichkeit ist es oft der schnellere Weg zu einem besseren Bild. 

Denn was in der Untermalung bereits stimmt, musst Du später nicht mehr mühsam retten. 

Die Untermalung nimmt der weißen Leinwand ihren Schrecken
 

Eine weiße Leinwand kann erstaunlich einschüchternd sein. Sie ist hell, leer, gnadenlos und schaut Dich an wie ein unbeschriebenes Blatt, das von Dir sofort Genialität erwartet. Eine getönte Fläche oder eine erste lockere Untermalung verändert dieses Gefühl sofort. Plötzlich malst Du nicht mehr gegen ein kaltes Weiß an. Du hast bereits einen Anfang. Das Bild beginnt zu atmen. 

Auch kleine Unsicherheiten werden weniger dramatisch. 

Ein erster Pinselstrich auf Weiß wirkt oft endgültig. Ein Pinselstrich auf einer bereits getönten oder angelegten Fläche ist dagegen nur ein Teil des Prozesses. 

Die Untermalung macht den Einstieg weicher, freundlicher und weniger einschüchternd. 

Tonwerte zuerst: Warum Licht und Schatten wichtiger sind als Farbe
 

Einer der größten Vorteile der Untermalung liegt in den Tonwerten. Tonwerte sind die Helligkeitsstufen eines Bildes: hell, mittel, dunkel und alles dazwischen. Sie entscheiden darüber, ob ein Bild plastisch wirkt. 

Ein Motiv kann farblich wunderschön sein – wenn die Tonwerte nicht stimmen, bleibt es trotzdem flach. 

In der Ölmalerei ist das besonders wichtig, weil Farbe schnell verführt. 

Ein schönes Rot, ein tiefes Blau oder ein leuchtendes Grün können so reizvoll sein, dass man vergisst, ob sie eigentlich hell oder dunkel genug sind. Eine monochrome Untermalung hilft Dir, dieses Problem zu umgehen. 

Wenn Du zunächst nur mit einem Farbton arbeitest – zum Beispiel mit Umbra, Braun, Grau oder einer Grisaille – kannst Du Dich ganz auf Licht, Schatten und Form konzentrieren. 

Du fragst nicht: „Ist dieses Grün schön?“
Du fragst: „Ist diese Stelle hell genug? Ist der Schatten tief genug? Kommt die Form nach vorn?“ 

Und genau diese Fragen machen Dein Bild stärker.

Die Untermalung hilft Dir, Form und Volumen zu verstehen

Realistische Malerei lebt von Form. Ein Apfel soll rund wirken. Ein Gesicht soll Volumen haben. Ein Tierfell soll nicht wie eine flache Tapete aussehen. Eine Hand soll nicht nur aus Umrissen bestehen, sondern aus Knochen, Muskeln, Licht und Schatten. 

In der Untermalung kannst Du diese Form entwickeln, bevor Du Dich um Farbe und Oberfläche kümmerst. 

Das ist besonders hilfreich bei schwierigen Motiven:
 
- Porträts
- Hände
- Füße
- Tiere
- Fell
- Faltenwürfe
- Blumen
- Glas
- Metall
- Stillleben
- komplexe Landschaften
  
Du modellierst zuerst die großen Formen. Erst später kommen Hauttöne, Fellfarben, Muster, Reflexe, Lasuren und Details hinzu. So entsteht ein Bild nicht aus lauter kleinen Einzelteilen, sondern aus einem stabilen Ganzen.

Die Untermalung macht Fehler früher sichtbar

Ein weiterer großer Vorteil: Fehler zeigen sich in der Untermalung viel früher. Wenn eine Proportion nicht stimmt, wenn ein Schatten an der falschen Stelle liegt oder wenn die Komposition nicht funktioniert, kannst Du das in dieser Phase noch relativ leicht korrigieren. 

Die Farbe ist dünn, die Fläche ist noch offen, und Du bist innerlich noch nicht an jedes Detail gebunden. 

Später wird das schwieriger. Wenn Du bereits mehrere Farbschichten, Lasuren und Details gemalt hast, tut jede Korrektur mehr weh. 

Dann hast Du vielleicht schon Stunden in ein Auge, eine Blüte oder eine Fellstruktur gesteckt – und merkst erst danach, dass die Grundform nicht stimmt. Die Untermalung schützt Dich vor genau diesem Drama. Sie ist wie eine ehrliche Freundin am Anfang des Bildes, die sagt: „Schau hier noch einmal hin, bevor Du weitermachst.“

Untermalung und Lasur: Warum alte Techniken so leuchtend wirken

In der altmeisterlichen Ölmalerei spielt die Untermalung eine besonders wichtige Rolle. Viele klassische Techniken beruhen darauf, dass zuerst eine tonale Grundlage geschaffen wird und später transparente oder halbtransparente Farbschichten darübergelegt werden. 

Das ist der Grund, warum manche Ölbilder eine so besondere Tiefe haben. Die Farbe liegt nicht einfach nur oben auf der Oberfläche. Sie wirkt aus mehreren Schichten heraus. Licht dringt durch transparente Farbschichten, trifft auf hellere Untermalungen und wird optisch zurückgeworfen. 

Dadurch entsteht eine Tiefe, die man mit deckender Farbe allein nur schwer erreichen kann. 

Besonders bei Lasuren ist die Untermalung entscheidend. Eine Lasur ist keine Reparaturschicht. Sie lebt von dem, was darunter liegt. 

Ist die Untermalung zu schwach, wirkt die Lasur flach.
Ist die Untermalung zu dunkel, verliert das Bild an Leuchtkraft.
Ist die Untermalung gut durchdacht, kann die Lasur wie farbiges Licht darüber liegen.

Die wichtigsten Arten der Untermalung

Es gibt nicht die eine richtige Untermalung für jedes Bild. Welche Methode sinnvoll ist, hängt vom Motiv, Deiner Arbeitsweise und dem gewünschten Ergebnis ab. 

1. Die Imprimatura:
 

Die getönte Grundstimmung Die Imprimatura ist eine dünne, transparente Farbschicht auf dem Malgrund. Sie nimmt dem weißen Untergrund seine Härte und gibt dem Bild eine erste farbliche Stimmung. Häufig verwendet man dafür warme Erdtöne wie Umbra, Siena oder Ocker. Die Farbe wird sehr dünn aufgetragen, oft fast wie ein Schleier. Eine Imprimatura eignet sich besonders, wenn Du nicht auf reinem Weiß beginnen möchtest. Sie hilft Dir, Tonwerte besser einzuschätzen, weil Du von einem mittleren Grundton aus arbeiten kannst. 

2. Die Grisaille: Untermalung
in Grau 


Die Grisaille ist eine monochrome Untermalung in Grauwerten. Dabei arbeitest Du im Prinzip wie in einer Schwarz-Weiß-Studie. Der große Vorteil: Du kannst Dich vollständig auf Hell-Dunkel, Form und Licht konzentrieren. Farbe spielt in dieser Phase noch keine Rolle. 

Eine Grisaille ist besonders sinnvoll bei:
 
Porträts
Figuren
Stillleben
realistischen Tiermotiven
Motiven mit starkem Licht-Schatten-Kontrast
Bildern, die später lasierend aufgebaut werden
  
Wichtig ist: Eine Grisaille für Lasuren darf oft etwas kräftiger in den Kontrasten sein, als man zunächst denkt. Transparente Farbschichten können die Tonwerte optisch wieder abschwächen. Wenn die Grisaille zu zaghaft ist, kann das fertige Bild später blass wirken. 

3. Die Brunaille: Untermalung in Braun 


Die Brunaille ist eine braune Untermalung. Sie wirkt wärmer als eine reine Grisaille und eignet sich wunderbar für viele klassische Motive. 

Braune Untermalungen sind besonders angenehm bei: 

Stillleben
Tieren
Landschaften
Holz
Erde
warmen Hauttönen
alten, gedämpften Bildstimmungen
  
Umbra gebrannt, Umbra natur, Vandyckbraun oder andere Erdtöne können hier sehr hilfreich sein. Sie trocknen meist relativ zügig und lassen sich gut kontrollieren. 

4. Verdaccio: Die grünliche Untermalung
 

Verdaccio ist eine grünlich-graue Untermalung, die traditionell oft bei Hauttönen verwendet wurde. Warum Grün? Weil es den rötlichen Anteilen der Haut entgegenwirkt und eine ruhige, neutrale Grundlage schaffen kann. Später werden wärmere Hauttöne darübergelegt, sodass eine natürliche Farbwirkung entsteht. Diese Technik ist anspruchsvoller, aber sehr interessant, wenn Du Dich mit altmeisterlicher Porträtmalerei beschäftigst. 

5. Farbige Untermalung: Stimmung und Temperatur steuern 


Eine Untermalung muss nicht immer grau oder braun sein. Du kannst auch mit farbigen Untertönen arbeiten, um die Stimmung des Bildes zu beeinflussen. 

Beispiele: 

Eine warme ockerfarbene Untermalung kann einem Landschaftsbild Sonnenwärme geben.
Eine kühle blaugraue Untermalung kann eine winterliche oder stille Atmosphäre unterstützen.
Eine rötliche Untermalung kann unter Grüntönen lebendig wirken.
Eine violette oder purpurne Untermalung kann Schattenbereiche interessanter machen. 

Wichtig ist aber: Die Farbe der Untermalung sollte zum späteren Bild passen. Eine schlecht gewählte Untermalungsfarbe kann die späteren Farbschichten trüben oder unruhig machen.

Welche Farbe eignet sich für eine Untermalung?

Für eine klassische Untermalung in Öl eignen sich vor allem Farben, die sich dünn auftragen lassen, gut trocknen und nicht zu dominant sind. 

Bewährt haben sich zum Beispiel:
 
Umbra natur
Umbra gebrannt
Siena gebrannt
Vandyckbraun
Paynesgrau
Elfenbeinschwarz mit Weiß
neutrale Graumischungen
gedämpfte Erdtöne
  
Für Anfänger ist Umbra gebrannt oft eine gute Wahl. Es ist warm, kontrollierbar und nicht so hart wie reines Schwarz. 

Mit Schwarz solltest Du vorsichtig umgehen. Schwarz kann in der Untermalung sehr wirkungsvoll sein, aber es kann spätere Farben auch schwer, kühl oder stumpf machen. 

Für viele realistische Motive ist ein   chromatisches Schwarz – also ein selbst gemischtes Dunkel aus komplementären oder dunklen Farben – oft lebendiger.

Wie dünn sollte eine Untermalung sein?

Eine Untermalung sollte in der Regel dünn und mager sein. Das bedeutet: Verwende nicht zu viel Öl und keine dicken Farbschichten. Die erste Schicht sollte schnell und gleichmäßig trocknen können. 

In der klassischen Ölmalerei gilt: Die unteren Schichten sollten magerer sein als die späteren Schichten. 

Warum? Ölfarbe trocknet nicht einfach wie Wasserfarbe durch Verdunstung. Sie härtet durch Oxidation aus. 

Dicke, ölige Schichten brauchen länger und bleiben länger beweglich. Wenn Du darauf zu früh dünnere oder schnell trocknende Schichten setzt, kann es später zu Spannungen, Rissen oder Haftungsproblemen kommen. 

Deshalb ist die Untermalung kein Ort für fette, dicke Farbe. Sie ist eher eine klare, dünne, stabile Grundlage.

Schritt für Schritt: So legst Du eine einfache Untermalung an

1. Motiv und Komposition festlegen 

Bevor Du malst, solltest Du wissen, wo die wichtigsten Formen liegen. Eine kleine Skizze, eine Tonwertstudie oder ein einfacher Entwurf helfen enorm. 

Frage Dich:
 
Wo ist der Schwerpunkt des Bildes?
Wo liegt das stärkste Licht?
Wo liegen die dunkelsten Schatten?
Welche Formen müssen besonders genau stimmen?
Welche Bereiche dürfen ruhiger bleiben?
  
2. Malgrund vorbereiten 


Du kannst auf Leinwand, Leinen, Baumwolle oder Paneel arbeiten. Für sehr feine realistische Malerei ist ein glatter Malgrund oft angenehmer, zum Beispiel ein gut grundiertes Paneel. Wenn der Untergrund sehr weiß ist, kannst Du zuerst eine dünne Imprimatura auftragen. Dadurch wird die Fläche ruhiger und die Tonwerte lassen sich leichter beurteilen. 

3. Große Formen anlegen
 

Beginne nicht mit Details. Lege zuerst die großen Schattenflächen, Hauptformen und Proportionen an. Arbeite locker, aber bewusst. Es geht darum, das Bild zu ordnen. 

4. Licht und Schatten entwickeln
 

Nun modellierst Du die Form über Tonwerte. Die dunkelsten Stellen, die Mitteltöne und die Lichter müssen miteinander stimmen. In dieser Phase solltest Du regelmäßig Abstand nehmen. Aus der Nähe sieht man Details. Aus der Entfernung sieht man, ob das Bild funktioniert. 

5. Kanten und Übergänge prüfen
 

Nicht jede Kante sollte gleich scharf sein. Schon in der Untermalung kannst Du überlegen: 

Wo brauche ich eine klare Kante?
Wo darf etwas weich auslaufen?
Wo soll der Blick später hängen bleiben?
Wo braucht das Bild Ruhe?
  
Gute Kantenkontrolle beginnt nicht erst am Ende. Sie beginnt bereits im Aufbau. 

6. Trocknen lassen
 

Bevor Du weiterarbeitest, sollte die Untermalung ausreichend trocken sein. Wie lange das dauert, hängt von Farbe, Schichtdicke, Malgrund, Raumtemperatur und verwendeten Malmitteln ab. Eine dünne Untermalung mit Erdtönen kann oft relativ schnell trocknen. Trotzdem lohnt sich Geduld. 

In der Ölmalerei ist Ungeduld leider ein ziemlich talentierter Saboteur. 

7. Farbe und Lasuren aufbauen
 

Erst jetzt kommen die weiteren Farbschichten. Je nach Technik kannst Du deckend, halbdeckend oder lasierend weiterarbeiten. Die Untermalung dient dabei als Orientierung. Sie zeigt Dir, wo Form, Licht und Schatten liegen. Du musst nicht alles neu erfinden, sondern kannst auf einem stabilen Fundament weiterbauen.

Wie detailliert muss eine Untermalung sein?

Das hängt von Deinem Ziel ab. Für manche Bilder reicht eine lockere Anlage. 

Für andere ist eine sehr genaue Grisaille sinnvoll. Besonders bei realistischen Motiven kann eine sorgfältige Untermalung sehr hilfreich sein. 

Als Faustregel gilt: Je komplexer das Motiv, desto mehr kann Dir eine genaue Untermalung helfen.

Je freier und spontaner Du malen möchtest, desto lockerer darf die Untermalung sein. 

Eine Untermalung muss nicht schön aussehen. Sie muss nützlich sein. 

Das ist ein wichtiger Unterschied. Sie ist kein fertiges Kunstwerk unter dem Kunstwerk, sondern ein Arbeitsstadium. 

Manchmal sieht sie rau, fleckig oder unfertig aus. Das ist völlig in Ordnung, solange sie Dir hilft, das Bild besser aufzubauen.

Häufige Fehler bei der Untermalung

Die Untermalung ist zu dunkel 

Wenn die Untermalung zu dunkel ist, können spätere Farbschichten schwer und stumpf wirken. Besonders bei Lasuren solltest Du darauf achten, dass genügend Licht im Bild bleibt. Dunkle Schatten sind wichtig, aber sie dürfen nicht alles verschlucken. 

Die Untermalung ist zu fett
 

Zu viel Öl oder Malmittel in der ersten Schicht kann technische Probleme verursachen. Die Untermalung sollte mager bleiben, damit spätere Schichten gut darauf aufbauen können. 

Die Untermalung ist zu detailliert
 

Details sind verführerisch. Aber wenn Du zu früh Wimpern, Fellhaare, Blütenadern oder kleine Reflexe malst, verlierst Du leicht den Blick für das Ganze. Erst die großen Formen. Dann die kleinen Schönheiten. 

Die Farbe der Untermalung passt nicht zum Motiv
 

Eine knallige oder unpassende Untermalungsfarbe kann spätere Schichten stören. Wähle die Farbe bewusst. Sie sollte die spätere Stimmung unterstützen, nicht dagegen arbeiten. 

Die Untermalung wird zu früh übermalt
 

Wenn die untere Schicht noch nicht trocken genug ist, vermischt sie sich mit der nächsten Schicht. Das kann schöne Effekte geben – oder matschige Farben. Für kontrollierte realistische Malerei ist es meist besser, die Untermalung trocknen zu lassen. 

Ist eine Untermalung immer notwendig?
 

Nein. Eine Untermalung ist kein Gesetz. 

Es gibt wunderbare Bilder, die ohne klassische Untermalung entstehen. Alla-prima-Malerei, expressive Malerei oder sehr direkte Malweisen brauchen oft keine ausgearbeitete Untermalung. Aber für realistische Ölmalerei ist sie ein unglaublich nützliches Werkzeug. 

Besonders wenn Du lernen möchtest, genauer zu sehen, bessere Tonwerte zu entwickeln und Deine Bilder in Schichten aufzubauen, ist die Untermalung fast wie ein Lehrer unter der Farbe. Sie zwingt Dich nicht.
Sie unterstützt Dich.

Für wen ist eine Untermalung besonders hilfreich?

Eine Untermalung ist besonders hilfreich, wenn Du:
 
- realistisch malen lernen möchtest
- Schwierigkeiten mit Tonwerten hast
- Dich von Farbe schnell ablenken lässt
- mehr Tiefe in Deine Ölbilder bringen möchtest
- Lasurmalerei lernen willst
- altmeisterliche Techniken verstehen möchtest
- Porträts, Tiere, Stillleben oder Figuren malst
- Deine Bilder planvoller aufbauen möchtest
- weniger Angst vor der weißen Leinwand haben möchtest
  
Sie ist aber auch für fortgeschrittene Künstler wertvoll. Je besser man malen kann, desto bewusster nutzt man oft die frühen Bildphasen. Denn Meisterschaft bedeutet nicht, alles spontan aus dem Ärmel zu schütteln. Meisterschaft bedeutet, zu wissen, wann ein Bild welches Fundament braucht.

Untermalung als Denkphase des Bildes

Vielleicht ist das der schönste Gedanke: Eine Untermalung ist nicht nur Technik. Sie ist eine Denkphase. 

Du nimmst Dir Zeit, das Bild zu verstehen, bevor Du es fertig malst. Du hörst dem Motiv zu. Du prüfst Licht, Schatten, Form und Komposition. 

Du baust nicht einfach Oberfläche, sondern Substanz. 

In einer Welt, in der alles schnell gehen soll, ist das fast altmodisch. Aber genau darin liegt seine Kraft. 

Eine gute Untermalung macht Dein Bild ruhiger, tiefer und sicherer. Sie hilft Dir, Fehler früher zu erkennen, Farben bewusster einzusetzen und den späteren Schichten mehr Leuchtkraft zu geben. Sie ist der Anfang, den man am Ende vielleicht kaum noch sieht – aber ohne den das Ganze weniger tragen würde. 

Fazit: Die Untermalung ist das Fundament Deines Ölbildes
 

Die Untermalung ist eine der wichtigsten Grundlagen der klassischen und realistischen Ölmalerei. 

Sie hilft Dir, Komposition, Form, Licht, Schatten und Tonwerte zu klären, bevor Du Dich der Farbe widmest. Ob als einfache Imprimatura, warme Brunaille, kühle Grisaille, grünliches Verdaccio oder freie farbige Anlage: Die Untermalung gibt Deinem Bild Richtung. 

Sie nimmt der weißen Leinwand ihren Schrecken.
Sie macht Fehler früher sichtbar.
Sie bringt Ordnung in den Malprozess.
Sie schafft Tiefe, Leuchtkraft und Stabilität. 
Und vor allem: Sie lehrt Dich, bewusster zu sehen. 

Denn realistische Malerei beginnt nicht mit Details. Sie beginnt mit dem Verständnis für Form, Licht und Tonwert. Genau dafür ist die Untermalung da.

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