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Malmittel in der Malerei: Was sie können und wie Du sie richtig einsetzt

Wer mit Ölmalerei beginnt oder sich intensiver mit dem klassischen Bildaufbau beschäftigt, stolpert früher oder später über das Thema Malmittel. 

Für viele klingt das anfangs ein wenig geheimnisvoll: Leinöl, Standöl, Liquin, Terpentinöl, Firnis – was davon braucht man wirklich? Und was macht davon überhaupt Sinn? 

Die gute Nachricht: Malmittel sind kein Hexenwerk. Wenn Du einmal verstanden hast, wie sie die Farbe verändern, verlierst Du schnell die Scheu davor. Dann werden sie zu etwas sehr Praktischem: zu kleinen Helfern, mit denen Du Konsistenz, Trocknung, Glanz, Transparenz und Oberflächenwirkung gezielt steuern kannst. 

Gerade in der Ölmalerei und besonders in der mehrschichtigen, klassischen Malweise spielen Malmittel eine wichtige Rolle. 

Sie helfen Dir dabei, sauberer aufzubauen, angenehmer zu arbeiten und Deine Farbe genau so einzustellen, wie Du sie in der jeweiligen Malphase brauchst. 

In diesem Artikel erfährst Du, was Malmittel sind, welche Arten es gibt, wofür sie verwendet werden und worauf Du bei der Anwendung achten solltest. 

Was sind Malmittel? 

Malmittel sind Zusätze, die Du Deiner Farbe beimischst, um bestimmte Eigenschaften zu verändern. Sie können die Farbe zum Beispiel:

Kurz gesagt: Ein Malmittel verändert nicht die Farbe selbst, sondern die Art, wie sie sich verarbeiten lässt und wie sie sich auf der Oberfläche verhält. 

Vor allem in der Ölmalerei sind Malmittel ein wichtiges Thema, weil hier oft in mehreren Schichten gearbeitet wird. 

Wer lasiert, modelliert, Übergänge verfeinert oder nach dem Prinzip fett auf mager malt, kommt früher oder später mit ihnen in Berührung.

Malmittel, Lösungsmittel und Firnis – was ist der Unterschied?

Diese Begriffe werden oft durcheinandergebracht, dabei erfüllen sie ganz unterschiedliche Aufgaben. 

Farbe
 

Die Farbe selbst besteht aus Pigment und Bindemittel. Bei Ölfarbe ist dieses Bindemittel Öl. 

Malmittel
 

Ein Malmittel wird der Farbe zugegeben, um ihre Eigenschaften gezielt zu verändern. 

Lösungsmittel 


Ein Lösungsmittel wie Terpentinöl oder geruchsmilder Verdünner macht die Farbe magerer und dünnflüssiger. Es verdunstet wieder und bleibt nicht als „nährender“ Bestandteil in der Farbschicht zurück. 

Firnis
 

Ein Firnis wird nicht während des Malens verwendet, sondern erst später auf das fertige, durchgetrocknete Bild aufgetragen. Er schützt die Oberfläche und gleicht den Glanz aus. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nur so kannst Du bewusst entscheiden, was Deine Farbe gerade braucht.

Warum verwendet man Malmittel?

Malmittel haben vor allem einen Zweck: Sie helfen Dir, die Farbe an Deine Arbeitsweise anzupassen. Das kann zum Beispiel bedeuten:

Gerade wenn Du nicht einfach nur deckend in einer Sitzung arbeitest, sondern Dein Bild Schicht für Schicht aufbaust, werden Malmittel interessant.

Welche Malmittel gibt es?

Es gibt viele Produkte auf dem Markt. Man muss sie aber nicht alle besitzen. Viel wichtiger ist, ihre grundsätzliche Wirkung zu verstehen. 

1. Leinöl
 

Leinöl ist eines der klassischsten Malmittel überhaupt. Es macht die Farbe geschmeidiger, satter und glänzender. Außerdem unterstützt es eine eher „fette“ Farbschicht. Leinöl eignet sich besonders:
 
- für spätere Malschichten
- für geschmeidigeres Arbeiten
- für etwas mehr Tiefe und Farbsättigung
- für Lasuren, wenn es sparsam verwendet wird
  
Wichtig: Leinöl trocknet eher langsam. Verwendest Du zu viel davon, kann die Farbschicht schwerfällig, klebrig oder unnötig glänzend werden. 

2. Standöl
 

Standöl ist eingedicktes Leinöl. Es ist zäher als normales Leinöl und sorgt für einen besonders glatten, schönen Farbfilm. Standöl ist interessant für: 

- feine Lasuren
- glatte Oberflächen
- wenig sichtbare Pinselspuren
- satte, tiefe Farbschichten
  
Es wird meistens nicht pur verwendet, sondern mit einem Lösungsmittel gemischt. Für die klassische Lasurtechnik ist es sehr beliebt. 

3. Alkyd-Malmittel 


Moderne Alkyd-Malmittel wie zum Beispiel Liquin beschleunigen die Trocknung und machen die Farbe gleichzeitig gut streichbar. 

Vorteile von Alkyd-Malmitteln: 

- schnellere Trocknung
- angenehmer Farbfluss
- praktisch für mehrschichtiges Arbeiten
- hilfreich bei feinen Details
  
Gerade wenn Du nicht tagelang auf die nächste Schicht warten möchtest, können solche Malmittel sehr angenehm sein. Manche Maler lieben sie, andere bevorzugen eher die traditionelle Arbeitsweise – das ist auch ein Stück weit Geschmackssache. 

4. Harzhaltige Malmittel 


Harzhaltige Malmittel wurden historisch oft verwendet und können Glanz, Transparenz und Leuchtkraft erhöhen. Sie wirken oft sehr edel, verlangen aber etwas Erfahrung. Für Anfänger sind sie nicht unbedingt die erste Wahl, weil man leicht zu viel des Guten tut. In geübter Hand können sie jedoch wunderbare Effekte erzeugen. 

5. Wachs-Zusätze
 

Wachs spielt im Alltag der Ölmalerei meist eine kleinere Rolle, kann aber nützlich sein, wenn eine Oberfläche matter, kompakter oder pastoser wirken soll. Es ist eher ein Spezialfall als ein universelles Malmittel.

Fett auf mager: Die wichtigste Regel beim Einsatz von Malmitteln

Wenn Du mit Ölmalerei arbeitest, solltest Du diese Regel unbedingt kennen: Fett auf mager 

Das bedeutet:

Untere Schichten sollten magerer sein, obere Schichten fetter. Der Gedanke dahinter ist ganz einfach: Magere Schichten trocknen meist schneller, fette Schichten langsamer und bleiben länger flexibel. Wenn diese Reihenfolge nicht stimmt, können später Spannungen in der Farbschicht entstehen. 

In der Praxis heißt das:
 
- erste Schichten eher mager anlegen
- wenig oder gar kein Öl in die Untermalung
- spätere Schichten etwas satter führen
  
Lasuren und Schlussphasen meist etwas fetter aufbauen

  
Diese Regel schützt nicht nur die technische Stabilität Deines Bildes, sondern bringt auch mehr Klarheit in den gesamten Malprozess.

Wie viel Malmittel sollte man verwenden?

Hier gilt fast immer: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Ein häufiger Fehler ist, zu glauben, mehr Malmittel mache die Farbe automatisch besser. Tatsächlich kann zu viel Malmittel schnell Probleme verursachen:
 
- die Farbe wird schmierig
- die Schicht trocknet schlecht
- der Glanz wird ungleichmäßig
- die Oberfläche wirkt instabil
  
Oft reicht schon eine kleine Menge, um die Farbe spürbar angenehmer zu machen. Malmittel sollten die Farbe unterstützen, nicht überschwemmen.

Welche Malmittel braucht man als Anfänger wirklich?

Die kurze Antwort: nicht viele. 

Für den Einstieg genügt meist:
 
- ein Lösungsmittel für magere erste Schichten
- ein einfaches Malmittel für geschmeidigeres Arbeiten
- eventuell ein schneller trocknendes Alkyd-Malmittel (Liquin)
  
Mehr braucht es am Anfang oft gar nicht. Viel wichtiger ist, dass Du verstehst, wann Du etwas verwendest und warum. Es ist besser, mit wenigen Materialien sicher umzugehen, als mit vielen Produkten gleichzeitig zu experimentieren und dabei die Kontrolle zu verlieren.

Malmittel und Lasurtechnik

Besonders wichtig werden Malmittel beim Lasieren. Eine gute Lasur lebt von Transparenz, Tiefe und einem schönen, gleichmäßigen Farbauftrag. Ein geeignetes Malmittel kann dabei helfen:
 
- die Farbe transparenter zu machen
- Übergänge weicher zu ziehen
- die Leuchtkraft zu erhöhen
- die Oberfläche geschmeidiger wirken zu lassen
- den Farbfilm feiner und kontrollierter aufzubauen
  
Gerade in der altmeisterlichen Malweise gehört dieser bewusste Umgang mit Farbe und Malmittel ganz selbstverständlich dazu.

Häufige Fehler im Umgang mit Malmitteln

Nicht das Malmittel an sich macht Probleme, sondern meist seine falsche Anwendung. 

Zu viel Malmittel
 

Die Farbe verliert an Stabilität und trocknet schlecht. 

Zu früh zu fett arbeiten
 

Wenn die unteren Schichten schon sehr ölig aufgebaut sind, wird der gesamte Bildaufbau riskanter. 

Zu viele Produkte mischen
 

Wer mehrere Malmittel wahllos kombiniert, verliert schnell die Übersicht über Trocknung, Glanz und Konsistenz. 

Malmittel als Ersatz für Technik benutzen
 

Malmittel können viel erleichtern, aber sie ersetzen kein solides Verständnis von Farbauftrag, Schichtaufbau und Materialverhalten.

Sicherheit und Atelierpraxis

So poetisch Malerei auch sein mag – im Atelier ist ein wenig Ordnung Gold wert. Gerade bei Malmitteln und Lösungsmitteln solltest Du sorgfältig arbeiten. 

Achte darauf:
 
- den Raum gut zu lüften
- Lappen sicher aufzubewahren
- nur kleine Mengen bereitzustellen
- Gefäße sauber zu halten
- Produkte klar zu beschriften
  
Ein guter Malprozess ist immer auch ein bewusster Umgang mit Material.

Fazit: Malmittel sind Helfer, keine Hauptdarsteller

Malmittel können in der Malerei unglaublich nützlich sein. Sie machen die Farbe geschmeidiger, unterstützen Lasuren, beeinflussen die Trocknung und helfen Dir dabei, Deinen Bildaufbau technisch sauberer zu gestalten. 

Aber: Sie sind kein Selbstzweck. Ein gutes Bild entsteht nicht durch möglichst viele Zusätze, sondern durch einen bewussten, sparsamen und passenden Einsatz. 

Wenn Du verstehst, welche Wirkung ein Malmittel hat, wann Du es brauchst und wann lieber nicht, wird der Umgang damit ganz selbstverständlich. 

Und genau dann entfalten Malmittel ihre eigentliche Stärke: Sie geben Dir mehr Kontrolle, mehr Ruhe im Prozess und mehr Möglichkeiten im malerischen Aufbau.

Häufige Fragen zu Malmitteln

Was ist ein Malmittel? 

Ein Malmittel ist ein Zusatz, der einer Farbe beigemischt wird, um Eigenschaften wie Konsistenz, Transparenz, Glanz oder Trocknungszeit zu verändern. 

Braucht man Malmittel unbedingt?
 

Nein. Man kann auch mit sehr wenig oder ganz ohne Malmittel arbeiten. In der Ölmalerei sind sie jedoch oft hilfreich, besonders bei Schichtenmalerei und Lasuren. 

Welches Malmittel ist für Anfänger geeignet?
 

Für Anfänger eignet sich ein einfaches, gut kontrollierbares Malmittel oder ein Alkyd-Malmittel in kleiner Menge. Wichtig ist vor allem ein sparsamer Einsatz. 

Was bedeutet fett auf mager? 


Das bedeutet, dass untere Farbschichten magerer und obere Schichten fetter aufgebaut werden. So bleibt das Bild technisch stabil. 

Kann man zu viel Malmittel verwenden?
 

Ja. Zu viel Malmittel kann die Trocknung stören, die Oberfläche schwächen und zu ungleichmäßigem Glanz führen.

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