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Johannisbeeren malen

Wir bleiben beim Stillleben!

Die Untermalung ist das Fundament deines Bildes – sie kann den gesamten Ausdruck beeinflussen. 

In dieser Lektion dreht sich alles darum, wie du mit der richtigen Untermalung die Wirkung deines Gemäldes verstärkst. 

Außerdem tauchen wir in die Kunst der Farbschichtung ein: Wie kombinierst du opake (deckende) und transparente Farben, um Tiefe und Leuchtkraft zu erzeugen? 

Lass uns loslegen!

Für dieses Bild benötigst Du

Farben

Titanweiß
Kadmiumgelb mittel
Kadmiumrot mittel
Transparent Rotbraun
Alizarin Krapplack
Van-Dyck-Braun
Transparenter Ocker

Pinsel

Rundpinsel Größe 10/0 oder 5/0 (von Da Vinci)
Flachpinsel
Katzenzungenpinsel

Zusätzliche Materialien

Paneel, 20 × 20 cm
HB-Bleistift
Saral-Transferpapier
Abreißpalette
Altes Putztuch
Palettmesser
Terpentinöl
Liquin Fine Detail

1. Bild übertragen

Drucke die obige Skizze auf A4-Papier. Wähle in den Druckeinstellungen „Bild an Seite anpassen“ oder, bei manchen Druckern, „An Papiergröße skalieren“, damit die Skizze optimal auf das Blatt passt. Übertrage das Bild anschließend mit Saral-Transferpapier auf die Malplatte.

Achte darauf, dass alle Linien deutlich sichtbar sind – so vermeidest Du späteres Suchen nach den richtigen Konturen beim Malen. Sollten einige Linien nach dem Übertragen zu schwach oder kaum sichtbar sein, zeichne sie vorsichtig mit einem Bleistift nach.

1. Beeren - Untermalung

Für die Untermalung der Beeren mischst du zwei verschiedene Gelbtöne:

- Einen helleren Gelbton aus Kadmiumgelb und Titanweiß.
- Einen dunkleren Gelbton aus Kadmiumgelb und einem Hauch Ocker.

Beeren im Vordergrund, die am meisten Licht abbekommen, grundierst du mit dem helleren Gelb. Diejenigen im Hintergrund, die teilweise von anderen Beeren überdeckt werden, erhalten die dunklere Untermalung.

Lasse das Bild anschließend eine Woche gut trocknen.

2. Hintergrund

Vandyck-Braun mit sehr wenig Weiß

Vandyck-Braun mit ​etwas mehr Weiß

Vandyck-Braun mit noch mehr Weiß

Für den Hintergrund mischst du die oben genannten Farben. Falls deine Mischung etwas anders ausfällt, ist das kein Problem – solange du ungefähr die Farbtöne triffst, passt es gut.

Trage die Farben in drei Streifen auf:

Das obere Drittel des Bildes malst du mit einem dunklen Braun.

Im mittleren Drittel verwendest du ein mittleres Braun.

Das untere Drittel gestaltest du mit dem hellen Braun.

Anschließend verblendest du die Übergänge vorsichtig, bis ein weicher, fließender Verlauf von dunkel nach hell entsteht. Die Schatten unter den Beeren lassen wir vorerst aus.

Sobald der Hintergrund fertig ist, stelle das Bild beiseite und lasse es eine Woche trocknen.

Beeren malen

Nass-in-Nass-Technik für lebendige Farbverläufe

Jetzt wird’s spannend! Die Beeren malen wir Nass in Nass – das bedeutet, dass wir alle Farben direkt aufsetzen und sie sich natürlich miteinander vermischen. So bekommt jede Beere ihre ganz eigene Nuance und wunderschöne, organische Farbverläufe.

Die Basisfarbe – leuchtendes Rot


Starte mit Kadmiumrot und verwende einen kleinen Rund- oder Flachpinsel, um die Beeren einzufärben. Arbeite dich Stück für Stück vor, damit jede Beere ihren individuellen Charakter bekommt.

Lichter und Transparenz – das Geheimnis der Leuchtkraft


Johannisbeeren sind leicht transparent, das Licht scheint hindurch – und genau das machen wir uns zunutze!

Lichter anlegen: 


Wasche die rote Farbe an den Stellen aus, wo das Licht durchscheint.

Tamponieren: 


Danach sanft mit einem trockenen Pinsel oder Tupfer abnehmen – so beginnt die gelbe Untermalung durch die rote Farbschicht hindurchzuleuchten.

Licht verstärken: 


Setze gezielte Akzente mit einer Mischung aus Kadmiumgelb und einem Hauch Titanweiß und tamponiere erneut.

Strahlende Highlights – der Glanzpunkt


Setze die typischen Lichtreflexe als kleine Pünktchen mit reinweißem Titanweiß – sie geben den Beeren ihre saftige Frische!

Schatten – für mehr Tiefe und Plastizität


Mische deine Schattenfarbe aus Kadmiumrot und Lasur-Rotbraun.

Achte darauf, wie geschickt gesetzte Schatten das Gefühl erzeugen: Beere im Vordergrund – Beere im Hintergrund.

Die Kerne – das Geheimnis der Transparenz


Nicht alle Beeren zeigen ihre Kerne, aber einige schon – und genau das macht sie authentisch!

Kernfarbe mischen: Ein sehr dunkles Rot aus Kadmiumrot, Vandyck-Braun und Krapplack.

Lichte Bereiche der Kerne: Mit einem in Terpentin getauchten Pinsel vorsichtig auswaschen.

Tamponieren nicht vergessen! Dadurch entsteht ein sanfter, natürlicher Effekt.

Feine Details – natürliche Strukturen


Die feinen Längslinien der Beeren kannst du mit einem dünnen Pinsel und einer Mischung aus Kadmiumgelb und Titanweiß malen. Alternativ kannst du sie mit einem Schaschlik- oder Saté-Spieß auskratzen und anschließend mit einem Tamponierpinsel sanft glätten.

"Krönchen" – die Überreste der Blüte


Im Niederländischen nennt man die dunklen Reste der Blüte „kruintjes“ – im Deutschen? Nennen wir sie einfach "Blütenreste".Male sie mit reinem Vandyck-Braun.

Dort, wo Licht auftrifft, kannst du mit ein paar feinen weißen Punkten Akzente setzen. Sie vermischen sich sanft mit dem Braun und ergeben so ein helleres, natürlich wirkendes Braun.

Mit diesen Techniken hauchst du deinen Johannisbeeren Leben ein – saftig, leuchtend und einfach zum Anbeißen! 

Reflektionen auf dem Untergrund

Jetzt sorgen wir dafür, dass das Rot der Johannisbeeren später wunderschön reflektiert! Dafür erhalten alle betroffenen Stellen auf dem Untergrund eine weiße Lasur.

   So geht’s:

Letzte Details. Finale Effekte – Beeren ins richtige Licht setzen!

Noch scheinen die Beeren in der Luft zu schweben – das ändern wir jetzt! Damit sie auf einer Tischplatte oder einem anderen Untergrund liegen, brauchen sie Schatten.

Schatten setzen – für mehr Tiefe



- Die richtige Farbe: Mische ein tiefes Braun aus Kadmiumrot, Ocker und Vandyck-Braun.
- Platzierung: Sieh dir das Video an, um genau zu erkennen, wo die Schatten hinmüssen.
- Verblenden: Tamponiere die Schatten sanft aus, damit sie weiche, natürliche Übergänge haben – keine harten Linien oder unschöne Kanten

Farbreflexe – das Glühen der Beeren auf dem Untergrund


Die roten Lichtreflexe auf der "Tischplatte" verleihen dem Bild noch mehr Realismus.

Der Stiel – ein perfekter Abschluss

Letzte Kontrolle – Feinschliff für dein Meisterwerk

Lass deinen Blick über das Bild wandern:

Danach ist dein Bild fertig – und deine Johannisbeeren sehen aus, als könnte man sie direkt vom Bild pflücken!

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