Du bist hier: Home | Ölmalerei, Level 3 | ​​​Zu welchem Preis kann ich als beginnender Künstler meine Arbeiten verkaufen?

Zu welchem Preis kann ich als beginnender Künstler meine Arbeiten verkaufen?

Wie Du faire Kunstpreise findest, ohne Dich unter Wert zu verkaufen 

Irgendwann kommt dieser Moment: Jemand interessiert sich für Deine Kunst und fragt: „Was kostet das Bild?“ Und plötzlich fühlt sich alles, was vorher so selbstverständlich war – malen, zeichnen, formen, suchen, verwerfen, neu beginnen – erstaunlich kompliziert an. Denn Deiner Kunst einen Preis zu geben, ist etwas völlig anderes, als sie zu erschaffen. 

Beim Malen geht es um Gefühl, Beobachtung, Können, Geduld, Zweifel, Freude, manchmal auch um Kampf. Beim Verkaufen dagegen betrittst Du einen anderen Raum: den Markt. Dort zählt nicht nur, wie viel Herzblut in Deinem Bild steckt, sondern auch, wie groß es ist, welche Technik Du verwendest, wie erfahren Du bist, wo Du ausstellst, wer Deine Käufer sind und welche Preise in Deinem künstlerischen Umfeld realistisch sind. 

Gerade als beginnender Künstler ist es nicht leicht, einen angemessenen Preis für die eigenen Arbeiten zu finden. Viele setzen ihre Preise viel zu niedrig an, weil sie unsicher sind. Andere steigen zu hoch ein, weil sie den emotionalen Wert ihrer Arbeit mit dem Marktwert verwechseln. Die Wahrheit liegt meistens irgendwo dazwischen. 

Warum Kunstpreise nicht aus der Luft gegriffen sein sollten

Natürlich darfst Du als Künstler selbst entscheiden, was Du für Deine Arbeit verlangst. Aber ein Preis wird erst dann glaubwürdig, wenn er in einem nachvollziehbaren Zusammenhang steht. 

Ein Käufer fragt sich bewusst oder unbewusst: 

Passt der Preis zur Größe des Bildes?
Passt er zur Technik?
Passt er zur Qualität der Arbeit?
Passt er zur Erfahrung des Künstlers?
Passt er zu vergleichbaren Arbeiten auf dem Markt?
Passt er zu dem Ort, an dem das Bild angeboten wird? 

Ein Bild, das Du direkt aus Deinem Atelier heraus verkaufst, bewegt sich oft in einem anderen Preisrahmen als ein Werk, das in einer etablierten Galerie hängt. Eine kleine Bleistiftzeichnung hat eine andere Preislogik als ein großes Ölgemälde auf Leinen. Ein Künstler mit drei verkauften Arbeiten steht an einem anderen Punkt als jemand, der seit zwanzig Jahren regelmäßig ausstellt und verkauft. 

Das bedeutet nicht, dass Deine Arbeit weniger wertvoll ist. Es bedeutet nur: Ein Kunstpreis braucht Kontext.

Ein Beispiel: nehmen wir eine schöne große Villa und stellen diese auf Sylt. Was wird sie wohl kosten? Vielleicht 3 Millionen? Das gleiche Objekt stellen wir nun irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern an den Rand einer Kuhweide – glaubst Du, damit ließen sich auch 3 Mio verdienen? Nein, ganz sicher nicht. Vielleicht 1 Drittel. – Das gleiche Haus, nur die Nachbarschaft ist verschieden – verstehst Du, worauf ich hinauswill?

Du siehst, am Markt exisitieren keine Preise in einem Vakuum – sie stehen vielmehr immer in einem Zusammenhang.

Der häufigste Fehler: Preise nach Gefühl machen

Viele beginnende Künstler kalkulieren ihre Preise ungefähr so: 

„Ich mag dieses Bild sehr, also ist es teuer.“
„Dieses Bild ging schnell, also darf es nicht viel kosten.“
„Ich bin noch Anfänger, also nehme ich lieber fast nichts.“
„Ich habe 80 Stunden daran gearbeitet, also muss es mindestens 4.000 Euro kosten.“ 

All diese Gedanken sind menschlich verständlich – aber als Preisgrundlage schwierig. Ein Bild ist nicht automatisch teurer, nur weil Du lange daran gearbeitet hast. Und es ist nicht automatisch weniger wert, nur weil es Dir leicht von der Hand ging. Käufer bezahlen nicht Deine innere Achterbahnfahrt. Sie bezahlen das Werk, seine Wirkung, seine Qualität, seine Präsentation und seinen Platz im Markt. 

Darum ist es besser, nicht nur aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sondern mit einer Mischung aus Gefühl, Recherche und nüchterner Kalkulation.

Preis

Wie Du als Anfänger Deine Kunstpreise berechnen kannst

Für beginnende Künstler gibt es keinen perfekten, allgemein gültigen Preisrechner. Aber es gibt mehrere Methoden, die Dir helfen, einen fairen Einstiegspreis zu finden. 

1. Rechne Deine Materialkosten aus 


Beginne ganz schlicht mit den tatsächlichen Kosten: 

Farben
Leinwand, Papier oder Malplatte
Pinselverschleiß
Firnis, Malmittel, Lösungsmittel
Rahmen oder Passepartout
Verpackung
Versandmaterial
Fotografie oder Druckkosten, falls relevant 

Viele Künstler vergessen diese Kosten, weil sie nach und nach entstehen. Aber sie sind real. Ein Bild kostet nicht erst dann Geld, wenn es verkauft wird. Es kostet schon während seiner Entstehung. Gerade bei Ölmalerei können hochwertige Farben, gute Malgründe und Rahmen schnell ins Gewicht fallen. Diese Kosten solltest Du nicht einfach verschlucken.

2. Setze einen realistischen Stundenlohn an

Eine einfache Methode lautet: 

Arbeitszeit x Stundenlohn + Materialkosten = Verkaufspreis 

Beispiel: Du arbeitest 15 Stunden an einem Bild.

Du setzt als beginnender Künstler 20 Euro pro Stunde an.

Deine Materialkosten liegen bei 45 Euro. Dann ergibt sich: 15 x 20 Euro = 300 Euro

300 Euro + 45 Euro = 345 Euro 

Ein Verkaufspreis von etwa 340 bis 360 Euro wäre in diesem Fall ein nachvollziehbarer Ausgangspunkt. 

Aber Vorsicht: Diese Rechnung ist nur ein Hilfsmittel. Wenn Du an einem kleinen Bild 60 Stunden gearbeitet hast, heißt das nicht automatisch, dass der Markt diesen Preis tragen wird. Besonders am Anfang musst Du Deine Kalkulation immer mit vergleichbaren Kunstpreisen abgleichen.

3. Vergleiche Dich mit ähnlichen Künstlern

Das ist einer der wichtigsten Schritte. Suche nach Künstlern, die ungefähr an einem ähnlichen Punkt stehen wie Du: 

ähnliche Technik
ähnliche Bildgröße
ähnliche Qualität
ähnliche Erfahrung
ähnliche Ausstellungshistorie
ähnliches Verkaufsumfeld
ähnliche Zielgruppe 

Vergleiche Dich nicht mit berühmten Künstlern, nicht mit langjährig etablierten Galeriekünstlern und auch nicht mit Menschen, die bereits seit Jahrzehnten verkaufen. 

Das führt nur zu falschen Maßstäben. Interessant sind Künstler, die wie Du noch am Anfang stehen oder sich gerade eine erste Käuferschaft aufbauen. 

Schau Dir an, welche Preise sie verlangen – und, wenn möglich, ob diese Arbeiten tatsächlich verkauft werden. 

Denn es gibt einen großen Unterschied zwischen: „Dieses Bild steht für 2.000 Euro online“
und
„Dieses Bild wurde für 2.000 Euro verkauft.“ 

Angebotspreise sind Wünsche. Verkaufspreise sind Beweise.

Welche Preise sind für beginnende Künstler realistisch?

Das hängt natürlich stark von Technik, Größe, Qualität und Zielgruppe ab. Trotzdem kann eine grobe Orientierung helfen. 

Für beginnende Künstler können diese Preisbereiche realistisch sein: 

Kleine Zeichnungen oder Studien: etwa 50 bis 150 Euro
Ausgearbeitete Zeichnungen: etwa 150 bis 400 Euro
Kleine Gemälde: etwa 150 bis 450 Euro
Mittlere Gemälde: etwa 400 bis 900 Euro
Größere Arbeiten: etwa 800 bis 1.500 Euro oder mehr 

Das sind keine festen Regeln. 

Ein sehr starkes kleines Bild kann mehr kosten als ein schwaches großes. Ein aufwendig gemaltes realistisches Ölgemälde hat eine andere Preisstruktur als eine schnelle Skizze. Auch regionale Unterschiede spielen eine Rolle. 

Aber als Anfänger solltest Du darauf achten, dass Deine Preise niedrig genug sind, um erste Verkäufe zu ermöglichen – und hoch genug, um Deine Arbeit nicht zu entwerten.

Warum Du Deine Kunst nicht zu billig verkaufen solltest

Viele Anfänger denken: „Ich nehme erst einmal ganz wenig, dann kaufen die Leute eher.“ Das kann kurzfristig funktionieren. Langfristig ist es gefährlich. 

Wenn Du ein aufwendig gemaltes Original für 40 Euro verkaufst, sendest Du ein Signal: Diese Arbeit hat keinen wirklichen Wert. 

Außerdem gewöhnst Du Deine Käufer an Preise, die Du später nur schwer korrigieren kannst. Natürlich musst Du am Anfang keine Galeriepreise verlangen. 

Aber Du solltest Deine Kunst auch nicht wie einen Flohmarktfund behandeln. Ein Original ist kein Massenprodukt. Es ist ein Einzelstück. 

Zu niedrige Preise können außerdem dazu führen, dass Du innerlich frustriert wirst. Du arbeitest viele Stunden, gibst Dein Bestes, verkaufst das Bild – und fühlst Dich danach nicht stolz, sondern irgendwie leer. Weil Du spürst: Das war nicht fair. Ein guter Preis sollte sich nicht nur für den Käufer gut anfühlen, sondern auch für Dich.

 Du bist hier: Home | Ölmalerei, Level 3 | ​​​Zu welchem Preis kann ich als beginnender Künstler meine Arbeiten verkaufen?

Vielleicht auch interessant:

Ausstellungseröffnungen - 
Do's & Dont's

Natürlich ist eine Ausstellungseröffnung immer auch eine Streicheleinheit für das Ego, aber dennoch geht es um viel, viel mehr. Nämlich um die Frage: Wie präsentiere ich meine Kunst zu meinem Vorteil?

Vom richtigen Umgang mit Kritik

Angst vor Kritik kann talentierte Menschen, die sonst vielleicht Großes in der Kunst leisten könnten, entsetzlich lähmen. Und dabei könnte aber die richtige Kritik von den richtigen Leuten Dein wichtigstes Werkzeug zur Verbesserung Deiner Arbeit sein.

Wie wird man ein professioneller Künstler?

Künstler fragen sich ständig, ob sie das Zeug dazu haben, professionell zu werden, erfolgreich zu werden, Anerkennung für ihre Kunst zu finden, unverwechselbar in der Kunstwelt zu sein und vor allem genug Geld zu verdienen, um vollständig vom Kunstverkauf zu überleben