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Was bedeutet Malen in Schichten?

Beim Malen in Schichten entsteht ein Bild nicht auf einmal, sondern in mehreren aufeinander aufbauenden Arbeitsphasen. 

Jede Schicht erfüllt dabei eine eigene Aufgabe. Zunächst werden meist die großen Formen, Proportionen und Tonwerte geklärt. 

Danach folgen Farbaufbau, Korrekturen, Vertiefungen und schließlich Details, Akzente oder Lasuren. 

Diese Vorgehensweise hat einen großen Vorteil: Du musst nicht alles gleichzeitig lösen. Statt Form, Farbe, Licht, Materialwirkung und Feinheiten in einem einzigen Schritt bewältigen zu wollen, arbeitest Du strukturiert. Das Bild darf wachsen. 

Gerade in der realistischen Malerei ist das entscheidend. Denn Präzision entsteht selten aus Hast, sondern fast immer aus einem klaren, geduldigen Aufbau.

Was ist Lasurmalerei?

Lasurmalerei bedeutet, dass transparente oder halbtransparente Farbschichten übereinandergelegt werden, sodass die darunterliegenden Schichten teilweise sichtbar bleiben. Anders als bei einem deckenden Farbauftrag wird die vorherige Malschicht also nicht vollständig verdeckt, sondern optisch mit einbezogen. 

Genau darin liegt die besondere Schönheit der Lasur: Das Licht dringt durch die oberen Farbschichten hindurch, wird von den unteren Schichten mitgeprägt und kehrt dann zum Auge zurück. Dadurch entsteht eine Tiefe und Leuchtkraft, die mit rein deckendem Auftrag nur schwer zu erreichen ist. 

Besonders in der Ölmalerei spielt die Lasurmalerei eine große Rolle. Sie eignet sich hervorragend, um Hauttöne zu verfeinern, Schatten zu vertiefen, Farbklänge zu harmonisieren oder Oberflächen lebendiger wirken zu lassen. 

Auch in Blumen, Stoffen, Früchten, Tierfell oder atmosphärischen Hintergründen kann sie wunderbare Ergebnisse erzeugen.

Warum Malen in Schichten so wirkungsvoll ist

Ein Bild, das in mehreren Schichten aufgebaut wird, wirkt häufig ruhiger, klarer und überzeugender. Das liegt daran, dass jede Phase das Ergebnis präzisiert. 

In der ersten Schicht legst Du die Grundlage. Hier geht es um Form, Zeichnung, Komposition und die grobe Verteilung von Hell und Dunkel. Diese Basis ist entscheidend. Wenn sie stimmt, wird alles, was darüberkommt, einfacher. 

In den folgenden Schichten vertiefst Du die Tonwerte, differenzierst die Farben, korrigierst kleine Ungenauigkeiten und entwickelst die Oberfläche weiter. 

Die Lasuren verbinden dabei oft das, was vorher noch etwas roh oder hart wirkte. Sie schaffen Tiefe, Atmosphäre und farbliche Feinabstimmung. 

So entsteht Schritt für Schritt ein Bild, das nicht nur korrekt, sondern auch reich und lebendig wirkt.

Der Unterschied zwischen deckendem Auftrag und Lasur

Nicht jede Schicht ist automatisch eine Lasur. Beim deckenden Malen wird die darunterliegende Schicht weitgehend überdeckt. Das ist sinnvoll, wenn Du Formen klar setzen, Lichter aufbauen oder Korrekturen vornehmen möchtest. 

Eine Lasur dagegen ist durchscheinend. Sie verändert das, was darunter liegt, ohne es völlig auszulöschen. Man könnte sagen: Deckende Farbe baut auf, Lasur veredelt. 

Beides hat seinen Platz. Gute Malerei besteht nicht daraus, nur zu lasieren oder nur deckend zu arbeiten. 

Entscheidend ist, dass Du verstehst, wann welche Art von Farbauftrag sinnvoll ist. 

In der Praxis entstehen die schönsten Ergebnisse oft aus dem Zusammenspiel beider Methoden.

Typischer Bildaufbau beim Malen in Schichten

Auch wenn jede Künstlerin und jeder Künstler etwas anders arbeitet, folgt das Malen in Schichten meist einer klaren inneren Logik. 

Am Anfang steht eine erste Anlage des Motivs. Hier werden die Formen grob festgelegt und die wichtigsten Tonwerte verteilt. In dieser Phase wird oft eher mager und dünn gearbeitet. Die Farbe dient zunächst dem Aufbau, nicht dem Finish. 

Danach folgt eine zweite Phase, in der Proportionen korrigiert, Übergänge verbessert und Licht und Schatten klarer organisiert werden. Das Bild gewinnt an Stabilität und Lesbarkeit. 

Erst später kommen jene Schichten hinzu, die man mit klassischer Lasurmalerei verbindet: transparente Farbaufträge, feine Vertiefungen, atmosphärische Schleier, satte Schatten oder ein wärmerer, kühlerer Gesamtklang. 

Ganz am Ende stehen Details, Akzente und die bewusste Entscheidung, wo das Bild scharf, weich, ruhig oder lebendig sein soll.

Lasurmalerei in der Ölmalerei

In der Ölmalerei ist die Lasur besonders beliebt, weil Ölfarbe von Natur aus eine Tiefe und Transparenz entwickeln kann, die sich für diese Technik hervorragend eignet. 

Viele klassische Gemälde verdanken ihre Leuchtkraft gerade dem Umstand, dass sie nicht direkt „fertig gemalt“, sondern über Schichten aufgebaut wurden. Wichtig ist dabei die Regel „fett auf mager“. 

Das bedeutet: Untere Schichten sollten eher mager, also dünn und mit wenig Öl oder Medium angelegt werden. Darüber dürfen die Schichten allmählich fetter werden. So bleibt der Bildaufbau technisch stabil und das Risiko von Spannungen, Rissen oder anderen Schäden wird verringert. 

Lasuren gehören meist eher in die oberen Bildschichten. Dort entfalten sie ihre Wirkung am schönsten, weil sie auf einer bereits geklärten und getrockneten Grundlage arbeiten können.

Welche Farben eignen sich für Lasuren?

Nicht jede Farbe lasiert gleich gut. 

Manche Pigmente sind von Natur aus eher transparent, andere stark deckend. 

Für die Lasurmalerei sind transparente oder halbtransparente Farben besonders geeignet, weil sie die unteren Schichten sichtbar lassen und zugleich farblich beeinflussen.

Deckende Farben wie Titanweiß sind für klassische Lasuren meist weniger geeignet. Sie trüben die Transparenz. 

Dennoch können auch halbdeckende Mischungen sinnvoll sein, wenn Du einen Schleier, eine gebrochene Atmosphäre oder sanfte Übergänge erzeugen möchtest. 

Entscheidend ist nicht nur die Farbe selbst, sondern auch ihre Dosierung. Eine gute Lasur ist nie einfach „viel Medium und ein Hauch Pigment“, sondern ein bewusster, kontrollierter Auftrag.

Was bewirkt eine Lasur konkret?

Eine Lasur kann ein Bild auf sehr unterschiedliche Weise verändern. 

Sie kann Schatten vertiefen, ohne sie stumpf zu machen. Sie kann einer Fläche Wärme oder Kühle geben, ohne die Form neu zu malen. Sie kann Übergänge beruhigen, Farben verbinden, Materialität steigern oder einem Bild jenen letzten Hauch von Tiefe verleihen, der vorher noch fehlte. 

Gerade in der realistischen Malerei ist das unschätzbar. Denn viele Oberflächen leben nicht von grober Dramatik, sondern von feinen Nuancen. Haut, Blütenblätter, Glas, Früchte, Fell oder alte Stoffe gewinnen enorm, wenn man sie nicht nur deckend modelliert, sondern in Schichten entwickelt.

Häufige Fehler beim Malen in Schichten

Ein häufiger Fehler ist, zu früh zu viel zu wollen. 

Wer bereits in der ersten Phase auf Perfektion aus ist, verliert schnell die Übersicht. Viel sinnvoller ist es, das Bild zunächst schlicht und klar aufzubauen. 

Ebenso problematisch ist es, Lasuren auf nicht ausreichend getrocknete Schichten zu setzen. Dann vermischt sich alles ungewollt, die Transparenz geht verloren und die Oberfläche wird unruhig. 

Auch zu viel Medium ist keine gute Lösung. Eine Lasur sollte transparent sein, aber nicht schmierig, gläsern oder instabil. Weniger ist oft mehr. 

Ein weiterer Irrtum besteht darin, Lasurmalerei mit bloßem „Überpinseln“ zu verwechseln. 

Eine gute Lasur folgt immer der Form und dient dem Bild. Sie ist kein Notbehelf, sondern eine bewusst eingesetzte Verfeinerung.

Braucht man Lasurmalerei unbedingt?

Nein. Nicht jedes Bild muss stark lasierend aufgebaut sein. Es gibt wunderbare Malerei, die direkter, pastoser oder deckender arbeitet. 

Aber wer Malen in Schichten versteht, erweitert seine Möglichkeiten enorm. 

Lasurmalerei ist kein Zwang, sondern ein Werkzeug. Und wie jedes gute Werkzeug ist sie besonders wertvoll, wenn man weiß, wann und warum man sie einsetzt. 

Für realistische Malerei, klassische Ölmalerei und fein abgestufte Bildwirkungen ist sie allerdings kaum wegzudenken. Sie gehört zu jenen Techniken, die ein Bild nicht lauter machen, sondern tiefer.

Für wen eignet sich das Malen in Schichten?

Eigentlich für alle, die nicht nur spontan Farbe auftragen, sondern ein Bild bewusst entwickeln möchten. 

Besonders hilfreich ist das Malen in Schichten für Anfänger, die mehr Ordnung in ihren Malprozess bringen wollen, und für Fortgeschrittene, die mehr Tiefe, Leuchtkraft und Kontrolle suchen. 

Wer realistisch malen möchte, profitiert fast immer davon, nicht alles in einem Zug erledigen zu wollen. Ein guter Bildaufbau schafft Ruhe. Und Ruhe führt meistens zu besseren Entscheidungen.

Fazit: Warum Lasurmalerei so faszinierend ist

Lasurmalerei ist weit mehr als eine alte Technik aus vergangenen Jahrhunderten. 

Sie ist ein intelligenter, sensibler Weg, Bilder aufzubauen. Wer in Schichten malt, arbeitet nicht langsamer aus Unsicherheit, sondern präziser aus Verständnis. 

Genau darin liegt die Stärke dieser Methode: Du gibst Deinem Bild Zeit, sich zu entwickeln. Du klärst zuerst das Wesentliche und verfeinerst dann Schritt für Schritt. So entstehen Tiefe, Leuchtkraft, Farbigkeit und jene stille Überzeugungskraft, die gute Malerei auszeichnet. 

Wenn Du lernen möchtest, realistischer, bewusster und souveräner zu malen, dann lohnt es sich sehr, das Malen in Schichten und die Lasurmalerei gründlich zu verstehen. Denn oft liegt die besondere Qualität eines Bildes nicht im ersten Farbauftrag, sondern in dem, was Schicht für Schicht daraus wird.

Häufige Fragen zur Lasurmalerei

Was ist der Unterschied zwischen Lasur und deckender Farbe? 
Eine Lasur ist transparent oder halbtransparent und lässt die darunterliegenden Schichten durchscheinen. Deckende Farbe verdeckt die untere Schicht weitgehend. 

Ist Lasurmalerei nur für Ölmalerei geeignet?
 
Nein. Auch mit Acryl lassen sich lasierende Effekte erzielen. In der Ölmalerei ist die Technik jedoch besonders beliebt, weil sie dort eine große Tiefe und Leuchtkraft entwickeln kann. 

Wann setzt man Lasuren ein?
 
Meist eher in späteren Bildphasen, wenn Form, Zeichnung und Tonwerte bereits geklärt sind. Dann können Lasuren gezielt vertiefen, harmonisieren oder veredeln. 

Warum wirkt Malen in Schichten oft realistischer?
 
Weil das Bild Schritt für Schritt aufgebaut wird. Form, Tonwert, Farbe und Details können nacheinander geklärt werden, statt alles gleichzeitig lösen zu müssen. 

Ist Lasurmalerei schwierig?
 
Sie verlangt etwas Geduld und Beobachtung, ist aber keine Geheimwissenschaft. Wer versteht, wie transparente Farbschichten wirken, kann mit Lasuren sehr gezielt und kontrolliert arbeiten. 

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