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Du bist hier: Home | Ölmalerei, Level 2 | Monochrome Untermalung / Grisaille: Warum viele Meisterbilder in Grau beginnen
Viele Menschen glauben, ein Gemälde beginne mit Farbe. Mit leuchtendem Rot, sattem Blau oder warmen Hauttönen. Doch in der klassischen Malerei ist das oft nicht der Fall. Sehr viele gute Bilder entstehen zunächst ganz ohne Farbe – oder zumindest fast ohne sie. Bevor die eigentliche Malerei beginnt, legen viele Künstler ihr Motiv in einer monochromen Untermalung an. Diese erste Phase nennt man Grisaille. Wenn Du realistisch malen lernen möchtest oder Dich für altmeisterliche Techniken interessierst, dann lohnt es sich sehr, dieses Prinzip zu verstehen. Denn eine monochrome Untermalung hilft Dir dabei, Form, Licht, Schatten und Tonwerte sicher zu erfassen, bevor die Farbe ins Spiel kommt. Gerade in der realistischen Malerei kann eine Grisaille den Unterschied machen zwischen einem Bild, das unsicher und unruhig wirkt – und einem Werk, das Tiefe, Klarheit und Überzeugungskraft besitzt.
Eine monochrome Untermalung ist eine Vorstufe der Malerei, bei der das Motiv zunächst in nur einer Farbe oder in einer sehr begrenzten Farbigkeit angelegt wird. Dabei geht es noch nicht um den endgültigen Farbeindruck, sondern vor allem um die Tonwerte, also um Hell, Dunkel und die plastische Wirkung der Formen. Die bekannteste Form dieser Technik ist die Grisaille. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß „in Grau gemalt“. Bei einer Grisaille wird das Bild also in Abstufungen von Hell bis Dunkel aufgebaut – häufig in Grau, manchmal aber auch in gebrochenen, neutralen Tönen. Im weiteren Sinne gehören auch andere monochrome Untermalungen dazu, zum Beispiel: - Brunaille – eine Untermalung in Braun - Verdaccio – eine grünlich-graue Untermalung, besonders bekannt aus der klassischen Figuren- und Porträtmalerei - Dead Coloring oder Totfarbenmalerei – eine gedämpfte, matte Vorstufe zur späteren Ausarbeitung Allen gemeinsam ist dasselbe Ziel: Sie schaffen ein stabiles Gerüst aus Form und Tonwert, auf dem die spätere Farbschicht sicher aufbauen kann.
Farbe kann bezaubern – aber sie kann auch verwirren. Gerade am Anfang neigen viele dazu, sich zu früh in Farbnuancen zu verlieren. Dabei steht die wichtigste Frage oft noch gar nicht fest: Stimmt überhaupt die Form? Stimmen die Werte? Sitzt das Licht? Eine monochrome Untermalung zwingt Dich dazu, Dich zunächst auf das Wesentliche zu konzentrieren: - auf die großen Formen - auf Licht und Schatten - auf die räumliche Wirkung - auf Proportionen - auf die Verteilung der Tonwerte Das ist ein enormer Vorteil. Denn ein Bild wirkt nicht deshalb überzeugend, weil die Farbe hübsch ist, sondern weil die Struktur darunter trägt. Viele Maler machen die Erfahrung, dass ihre Bilder sofort ruhiger und plastischer werden, sobald sie lernen, zuerst in Werten statt in Farben zu denken. Genau dafür ist die Grisaille da.
Rosafarbene Rosen - das Gehirn sagt Dir: Rosa ist eine helle Farbe! Also malst Du die Blumen hell. Die Gefahr, dass man sich dabei verschätzt und seine Rosen viel zu hell anlegt, ist beträchtlich. Wenn man die Farbe aber herausfiltert, wird schnell klar, dass das Rosa ziemlich dunkel ist - alles Mittelwerte.
Wenn man sich also in dieser Phase nur auf den Tonwert konzentriert, dann wird es einfacher, die Rosen präzise und mit richtigen Hell- und Dunkelwerten zu malen. Ein korrekter Start erhöht die Wahrscheinlichkeit eines korrekten Ergebnisses.
In der realistischen Malerei sind Tonwerte oft wichtiger als Farbe. Ein Apfel bleibt auch dann glaubwürdig, wenn seine Farbe leicht danebenliegt – aber nicht, wenn Licht und Schatten falsch gesetzt sind. Ein Gesicht kann mit reduzierter Farbe sehr überzeugend wirken, solange die Werte stimmen. Sind die Werte dagegen unklar, wirkt selbst eine raffinierte Farbigkeit oft flach. Die monochrome Untermalung trainiert deshalb vor allem eines: sehen lernen. Du lernst, ein Motiv nicht bloß als „rot“, „grün“ oder „blau“ wahrzunehmen, sondern als ein Gefüge aus hellen und dunklen Beziehungen. Und genau diese Beziehungen geben einem Bild Körper, Tiefe und Spannung. Darum ist die Grisaille nicht nur eine Technik, sondern auch eine Schule des Sehens.
Die praktische Umsetzung kann je nach Malweise etwas variieren, doch das Grundprinzip bleibt gleich. Zuerst wird das Motiv zeichnerisch oder malerisch angelegt. Danach werden die großen Schattenmassen und die Lichtbereiche in einer einzigen Tonfamilie aufgebaut. Ziel ist es, die Formen plastisch herauszuarbeiten und eine klare Wertestruktur zu schaffen. Typischerweise gehst Du dabei so vor: 1. Die Zeichnung oder Anlage Am Anfang steht eine saubere Vorzeichnung oder eine lockere malerische Anlage. Wichtig ist, dass die Proportionen und die wichtigsten Formen bereits stimmen. 2. Die großen Schatten festlegen Danach werden die Schattenpartien als zusammenhängende Flächen angelegt. Hier geht es noch nicht um kleine Details, sondern um die großen Wertemassen. 3. Licht und Halbtöne modellieren Nun arbeitest Du die Form aus: Lichtseite, Halbtöne, Kernschatten, reflektiertes Licht und Schlagschatten. Das Motiv beginnt, plastisch zu werden. 4. Trocknen lassen Wenn später lasierend oder in mehreren Schichten weitergearbeitet werden soll, sollte die Untermalung ausreichend trocknen. 5. Farbe aufbauen Erst danach folgen die eigentlichen Farbschichten – deckend, halbdeckend oder lasierend, je nach Technik. Die Grisaille bleibt dabei als tragende Struktur unter dem Bild erhalten.
Die Vorteile dieser Methode sind groß – vor allem, wenn Du realistisch arbeiten möchtest. Mehr Sicherheit in der Form Du konzentrierst Dich zunächst auf das Fundament des Bildes. Das macht die spätere Ausarbeitung stabiler und klarer. Bessere Kontrolle über Licht und Schatten Da die Farbe noch keine Rolle spielt, siehst Du viel deutlicher, ob Deine Hell-Dunkel-Verteilung funktioniert. Mehr Tiefe und Plastizität Eine gute Grisaille verleiht dem Motiv oft schon vor der Farbgebung erstaunliche Räumlichkeit. Weniger Chaos beim Malen Viele Anfänger verlieren sich früh in Einzelheiten. Die monochrome Untermalung hilft, systematisch und geordnet zu arbeiten. Ideale Grundlage für Lasuren Besonders in der altmeisterlichen Malerei ist die Grisaille eine wunderbare Basis für spätere transparente Farbschichten.
Klassisch ist natürlich die Arbeit in Grau, also mit Schwarz und Weiß oder mit neutral gemischten Grautönen. Doch auch andere Varianten sind möglich und oft sehr sinnvoll. Beliebte Möglichkeiten sind: - Grau für die klassische Grisaille - Brauntöne für eine warme, erdige Untermalung = Grünlich-graue Töne für Haut in der Figurenmalerei - gebrochene Neutralfarben für eine besonders harmonische Gesamtwirkung Wichtig ist nicht, dass die Untermalung „schön bunt“ aussieht. Wichtig ist, dass sie wertklar ist und das Motiv zuverlässig trägt.
Die Technik der monochromen Untermalung ist eng mit der altmeisterlichen Malerei verbunden. Über Jahrhunderte hinweg haben Künstler ihre Bilder schichtweise aufgebaut. Nicht aus Umständlichkeit, sondern weil diese Methode eine außergewöhnliche Kontrolle erlaubt. Die Untermalung war dabei der Ort, an dem Form, Volumen und Lichtwirkung festgelegt wurden. Die Farbe kam oft später – als Veredelung, Vertiefung oder Lasur. Gerade deshalb wirken viele klassische Gemälde so ruhig, geschlossen und glaubwürdig. Sie ruhen auf einem durchdachten Unterbau. Auch heute noch arbeiten viele realistische Künstler mit Grisaille oder anderen monochromen Vorstufen, weil diese Methode nichts von ihrem Wert verloren hat. Im Gegenteil: Sie ist zeitlos.
Im Grunde für fast alles. Besonders hilfreich ist sie bei: - Porträts - Stillleben - Tiermalerei - Figurenmalerei - klassischen Arrangements mit starkem Licht-Schatten-Spiel Auch komplexe Motive profitieren davon, weil eine Grisaille Ordnung in die Bildstruktur bringt. Selbst wenn Du später freier oder farbiger arbeitest, kann diese Phase Dir helfen, das Motiv sicher zu verankern.
Wie jede Technik kann auch die monochrome Untermalung Probleme machen, wenn man sie missversteht. Ein häufiger Fehler ist, zu früh in kleine Details zu gehen. Dann verliert man sich in Nebensächlichkeiten, bevor die großen Formen überhaupt geklärt sind. Ein anderer Fehler besteht darin, die Tonwerte zu eng beieinander zu halten. Dann wirkt die Untermalung matt und kraftlos. Die Formen bleiben unklar. Auch wichtig: Die Grisaille sollte nicht einfach nur „grau eingefärbt“ sein. Sie muss modellieren, nicht bloß bedecken. Sie ist kein dekorativer Zwischenschritt, sondern das konstruktive Rückgrat des Bildes.
Nein – ganz im Gegenteil. Gerade Anfänger können enorm von dieser Methode profitieren. Denn sie hilft dabei, die Grundlagen der Malerei besser zu verstehen. Wer zuerst lernt, in Werten zu sehen, wird später auch mit Farbe sicherer umgehen. Natürlich braucht es ein wenig Geduld. Eine monochrome Untermalung ist kein schneller Effekt, sondern eine bewusste Arbeitsweise. Aber genau darin liegt ihre Stärke. Sie entschleunigt.Sie ordnet. Sie lehrt Dich, wirklich hinzusehen.
Eine Grisaille ist vielleicht nicht der spektakulärste Teil eines Gemäldes. Sie leuchtet nicht, sie glänzt nicht, sie prahlt nicht mit Farbe. Und doch ist sie oft der Ort, an dem ein gutes Bild seine eigentliche Kraft erhält. Hier wird entschieden, ob das Motiv atmet. Ob es Gewicht hat. Ob Licht glaubwürdig fällt. Ob Form sich im Raum behauptet. Die monochrome Untermalung ist deshalb viel mehr als eine technische Vorstufe. Sie ist ein stiller, konzentrierter Anfang – und oft der sicherste Weg zu einem Bild, das Substanz besitzt. Wenn Du realistisch malen lernen möchtest, dann lohnt es sich sehr, die Grisaille nicht als altmodische Methode zu betrachten, sondern als das, was sie wirklich ist: eine der klügsten und wirkungsvollsten Grundlagen der Malerei.
Ich selbst verwende Grisaille-Untermalungen grundsätzlich für Porträts und Akte, und ganz besonders auch für Stillleben oder - wie hier - florale Bilder. Gerade Blumen haben oftmals so viele verschiedene Farbabstufungen, Licht- und Schattenbereiche und Tonwerte, so dass ein Scheitern ohne Untermalung beinahe vorprogrammiert ist. Oder aber man ist ein Genie mit dem "Goldenen Blick" - na ja, das bin ich jedenfalls nicht. Dennoch: Auch mit Fleiss lässt sich einiges erreichen.
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Wer realistisch malen möchte, stößt früher oder später auf ein Prinzip, das in der klassischen Malerei seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle spielt: das Malen in Schichten. Besonders in der Ölmalerei ist diese Arbeitsweise eng mit der Lasurmalerei verbunden. Sie sorgt für Tiefe, Leuchtkraft, feine Farbübergänge und jene besondere Bildwirkung, die viele Werke der alten Meister so lebendig erscheinen lässt.
Warum wirken manche Gemälde sofort „stimmig“, während andere trotz guter Technik flach oder unruhig bleiben? Oft liegt es nicht an Farbe oder Detailgrad, sondern am Bildaufbau: an Komposition und Blickführung. Diese drei Begriffe beschreiben, wie du Formen, Hell-Dunkel, Linien und Kontraste so anordnest, dass das Auge des Betrachters geführt wird – und das Bild eine klare Aussage bekommt.
Chiaroscuro gehört zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln in der Malerei und Zeichnung. Der Begriff stammt aus dem Italienischen und bedeutet wörtlich „hell-dunkel“. Gemeint ist damit das bewusste Spiel von Licht und Schatten, mit dem Formen plastisch wirken, Räume Tiefe bekommen und Bilder eine besondere dramatische Kraft entfalten.
Chromatisches Schwarz ist ein Begriff, der in der Malerei immer wieder auftaucht – vor allem dort, wo es um feine Farbharmonien, lebendige Schatten und eine hochwertige malerische Wirkung geht. Viele Künstler verzichten ganz bewusst auf reines Schwarz aus der Tube und mischen sich ihr Schwarz lieber selbst. Warum? Weil ein selbst gemischtes Schwarz oft reicher, tiefer und lebendiger wirkt als ein fertiges, neutrales Schwarz.