Kekse!

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Kekse!

Verwendete Materialien:
  • Mus-Paneel (18 x 24 cm)
  • Pfirsichschwarz (Sennelier)
  • German Earth (Williamsburg)
  • Umbra gebrannt
  • Titanweiß
  • Englisch Rot
  • Liquin
  • diverse Pinsel

1. Den Hintergrund anlegen

Wie fast immer beginne ich auch dieses Bild mit dem Hintergrund. Der Hintergrund legt die Stimmung des gesamten Gemäldes fest und beeinflusst später alle anderen Farben – besonders die der Maus. Deshalb lohnt es sich, hier schon sehr bewusst zu arbeiten. Die Hintergrundfarbe: Pfirsichschwarz und Titanweiß Für den Hintergrund verwende ich eine Mischung aus zwei Farben: Titanweiß und Pfirsichschwarz.

Pfirsichschwarz ist ein recht spezieller Farbton, der – soweit ich weiß – nur von einer Firma angeboten wird: Sennelier. Der Name ist ein bisschen irreführend, denn „Pfirsichschwarz“ wirkt in der Praxis eher wie ein sehr sattes, tiefes Dunkelblau. Wenn Du es mit Weiß ausmischst, erhältst Du einen schönen, unaufdringlichen graublauen Ton – ideal für ruhige Hintergründe, die das Motiv nicht erschlagen. Für dieses Bild habe ich ungefähr folgende Mischung verwendet:
 
ca. 75 % Pfirsichschwarz
ca. 25 % Titanweiß
  
Du musst diese Prozentangaben nicht mit der Pipette abmessen – sie dienen eher als Orientierung. Wichtig ist, dass Du einen gedeckten, leicht bläulichen Grauton erhältst, der nicht zu hell, aber auch nicht stockdunkel ist. Mit dieser Mischung male ich den gesamten Hintergrund. Wenn Du kein Pfirsichschwarz hast Keine Sorge: Du musst Dir nicht sofort Pfirsichschwarz kaufen, um dieses Bild malen zu können. Du hast mehrere Alternativen: 1. Blaues Paynesgrau Du kannst stattdessen sehr gut Paynesgrau verwenden – allerdings die blaue Variante.

Einige Hersteller (z.B. Norma) mischen ein eher violettstichiges Paynesgrau. Das ist an sich nicht „falsch“, aber es verändert die Gesamtwirkung des Bildes: Ein blaues Paynesgrau ergibt einen kühlen, neutralen Hintergrund.
  
Ein violettes Paynesgrau bringt automatisch einen wärmeren, leicht rötlichen Touch ins Bild.
  
Das hätte zur Folge, dass auch Deine Maus später eine etwas andere Farbigkeit bekommt als in meinem Beispiel. Denn Du weißt: Der Hintergrund beeinflusst immer die Wirkung aller anderen Farben im Bild. 

2. Ein eigenes Blaugrau mischen 

Wenn Du weder Pfirsichschwarz noch ein blaues Paynesgrau hast, mische Dir einfach selbst ein Blaugrau: ein wenig Schwarz, etwas Blau, dazu Titanweiß, bis der Ton schön gedeckt und leicht bläulich grau wirkt.

Damit bist Du auf jeden Fall auf der sicheren Seite. 


Mein Paneel, auf das ich dieses Bild male, ist bereits grau grundiert. Das hat keinen besonderen „geheimen“ Grund – außer diesem:

Unter dieser Schicht steckt noch ein älteres Bild, das ich vor Jahren angefangen, aber nie fertiggestellt habe. Solche „Bilder-Leichen“ haben viele Künstler in ihren Schränken stehen – da bin ich keine Ausnahme. 

Der Vorteil einer grauen Grundierung:

Du startest nicht auf strahlendem Weiß, sondern in einem mittleren Tonwert. Dadurch lassen sich sowohl Lichter als auch Schatten viel besser beurteilen. Für dieses Motiv ist das praktisch, aber nicht zwingend notwendig – Du kannst auch auf einem anderen neutralen Untergrund arbeiten.

Pinselwahl und Streichrichtung 

Das Bildformat ist relativ klein, deshalb verwende ich für den Hintergrund nur einen kleinen Katzenzungenpinsel (Filbert-Pinsel). Mit seiner abgerundeten Form lassen sich weiche Übergänge besonders gut anlegen. 

Ein wichtiger Punkt beim Auftragen der Farbe: Streiche die Farbe nicht nur in eine Richtung auf das Paneel, sondern kreuz und quer, in sich überlagernden Bewegungen.
  
Schau Dir am besten genau an, wie ich die Handführung im Video mache: Durch diese überkreuzten Pinselzüge verschwinden Streifen, und Du erhältst einen gleichmäßigen, flecklosen Hintergrund, der trotzdem lebendig wirkt. 

Wenn Du nur streng in eine Richtung „ziehst“, sieht der Hintergrund schnell so aus, als hättest Du eine Tür lackiert – und genau das wollen wir vermeiden. Wir malen ein Bild – keine Tür. 😉 

Arbeite ruhig zügig und gleichmäßig, damit die Farbe nass bleibt und keine harten Kanten entstehen. Wenn nötig, kannst Du zum Schluss mit ganz leichten, fast schwebenden Pinselbewegungen noch einmal über die Fläche gehen, um alles sanft zu glätten. Damit ist der Hintergrund vorbereitet – die Bühne für unsere kleine Maus steht. Jetzt kann das eigentliche Motiv darauf Platz nehmen. 

Den Schatten, den die Maus wirft, untermale ich mit reinem Pfisichschwarz. Durch das anschließende Vertreiben mit dem blaugrauen Hintergrund hellt sich die Farbe automatisch auf und fügt sich gut ins Bild ein.

Fertig? Lass das Bild dann gut trocknen.

2. Kekse untermalen

Für die braunen Kekse verwende ich im Grunde nur drei Farben:

German Earth (pur aus der Tube für die Schatten) und eine Mischung aus German Earth, Gebrannter Umbra und Titanweiß für alle mittleren und helleren Bereiche. Schon in dieser Phase lege ich die Struktur der Keksoberfläche an.

Zuerst male ich die kleinen Unebenheiten und Poren mit einem feinen Pinsel ein. Anschließend tamponiere ich diese Strukturen ganz vorsichtig mit einem kleinen Katzenzungenpinsel. Dadurch brechen die harten Kanten etwas auf, und die Oberfläche wirkt viel realistischer – eher wie ein echter, leicht poröser Keks. Überlege dir beim Malen immer genau, woher dein Licht kommt.

In meinem Bild fällt das Licht von links ein. Das bedeutet: die linken Seiten der Kekse sind heller, die rechten Seiten liegen mehr im Schatten und bleiben daher dunkler.
   
Die Cremefüllung 

Die Cremefüllung ist eigentlich der einfachste Teil – wenn man ein, zwei Dinge beachtet.

Ich mische mir dafür Titanweiß mit einem Hauch Gebrannter Umbra und einem Hauch German Earth. So entsteht ein warmes, leicht gebrochenes Weiß. An den lichtabgewandten Stellen der Creme (also auf der rechten Seite, wenn das Licht von links kommt) füge ich etwas mehr Gebrannte Umbra und German Earth hinzu. So entstehen weiche Schatten, und die Creme wirkt plastisch und rund. 

Der typische Fehler bei „weißen“ Dingen 

Ein häufiger Fehler: Man denkt, die Creme ist weiß – also malt man sie einfach mit reinem Weiß.

Genau da liegt das Problem. Wenn du einen Gegenstand rein weiß malst, kannst du später keine Highlights mehr setzen. Weiß ist die hellste Stufe – heller geht nicht. Du nimmst dir also jede Möglichkeit, noch Lichtakzente zu setzen. Es spielt keine Rolle, ob du eine weiße Cremefüllung, weißen Stoff oder ein weißes Tier malst – das Prinzip ist immer dasselbe: Weiß wird in der Untermalung immer etwas dunkler angelegt.

Erst in den letzten Schritten setzt du mit reinem Weiß die stärksten Lichter. Achte daher auch bei der Cremefüllung auf Licht und Schatten: zur Lichtseite hin bleibt die Mischung heller, auf der Schattenseite gibst du etwas mehr Gebrannte Umbra und German Earth hinzu.
   
Mehr Tiefe mit nur zwei Mischungen 

Vorhin hatte ich erwähnt, dass ich für die Kekse im Grunde nur zwei Farbmischungen benutze: German Earth pur für die Schatten, German Earth + Gebrannte Umbra + Titanweiß für alle helleren Bereiche

Wenn du dir die Kekse nun genauer anschaust, wirst du innerhalb dieser helleren Bereiche verschiedene Abstufungen erkennen. Das ist gewollt – genau diese Nuancen lassen die Kekse glaubwürdig und „köstlich“ wirken. Diese Abstufungen entstehen ganz einfach, indem du mehr oder weniger Titanweiß in deine Grundmischung gibst. 

- etwas weniger Weiß → mittlere, warme Brauntöne
- etwas mehr Weiß → die aufgehellten, vom Licht getroffenen Stellen
  
So bekommst du mit nur wenigen Farben eine große Bandbreite an Tönen – und deine Kekse sehen am Ende fast so aus, als könnte man sie direkt vom Bild naschen.

Trotzdem muss deine Fellfarbe immer ein kleines bisschen heller sein als die Untermalung der Schatten, sonst „säuft“ alles ab und die Form verliert an Tiefe. Versuche außerdem, die hellen und dunklen Fellbereiche weich miteinander zu verbinden.

Wenn die Übergänge zu hart bleiben, wirkt die Maus schnell eckig und kantig – und wir wollen ja einen runden Kopf, einen runden Bauch und einen runden kleinen Arm. 

Feine Linien und Schnurrhaare
 

Oft werde ich gefragt: „Wie malst du so extrem dünne Linien – zum Beispiel die Schnurrhaare?“ Wenn dir das nicht gelingt, liegen die Ursachen meistens bei einem von zwei Punkten:

Bevor du auf deinem eigentlichen Bild arbeitest, probiere das immer zuerst auf einer alten Leinwand oder einem Probestück aus. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie viel Verdünnung du brauchst. 

Das Paneel drehen – nicht die Hand verrenken 

Du hast sicher schon gesehen, dass ich mein Paneel im Video immer wieder drehe. Der Grund ist ganz simpel: Ich kann keine diagonalen Linien von links oben nach rechts unten malerisch sauber ausführen – meine Hand macht diese Bewegung einfach nicht gerne mit. Und damit bin ich nicht allein, das geht den meisten so. Finde für dich heraus:

Wenn eine Linie unbequem ist, zwing dich nicht dazu – drehe einfach das Paneel, bis du die Linie entspannt ziehen kannst. Das macht dein Leben sehr viel leichter und deine Linien automatisch sauberer. 

Mehr Tiefe in den Ohren, Pfötchen und Schwanz
 

Jetzt bekommen die Ohren noch etwas mehr Tiefe. Dafür verwende ich im Prinzip die gleiche Farbmischung wie bei der Untermalung. In den Schattenbereichen mische ich allerdings einen Tick mehr Englischrot und Umbra dazu. So wirken die Schatten wärmer und das Innenohr plastischer.

Mische dir davon ruhig etwas mehr an – du brauchst diese Mischung später auch noch für die Pfötchen und den Schwanz der Maus. Wenn ich einmal ein wenig über meine Linien hinausgerutscht bin – kein Drama. Dann wasche ich den Pinsel gründlich aus, entferne alle Farbreste, tauche ihn anschließend in Terpentin und „putze“ die überschüssige Farbe einfach wieder aus dem Bild heraus. 

Wichtig dabei: Am Pinsel dürfen sich keine Tropfen bilden. Streif das überschüssige Terpentin also am Glasrand gut ab, bevor du auf dein Bild gehst.

Wenn die Kekse „einschlagen“ 

Ein kleiner Blick zurück zu den Keksen:

Inzwischen ist die Farbe dort getrocknet, und man sieht gut, dass sie – vor allem bei den unteren Keksen – grau und stumpf geworden ist. Dieses Phänomen nennt man „Einschlagen“. Dunkle Braun- oder Schwarztöne neigen besonders dazu.
Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe:

Wenn dich das stört, hast du zwei Möglichkeiten:

Dadurch wirken die Farben wieder frisch und satt, so wie im nassen Zustand. 

Pfoten, Schwanz und die letzten Korrekturen 

Für die Pfoten und den Schwanz verwende ich dieselbe Farbmischung wie für die Ohren. 

Jetzt beginnt langsam die finale Phase des Bildes: Ich schaue mir alles genau an, kontrolliere Licht und Schatten und korrigiere, wo es nötig ist. Pfoten und Schwanz erhalten noch eine weitere, differenzierte Farbschicht – dieses Mal auch wieder mit klar gesetzten Lichtern und Schatten, damit die Formen sich wirklich rund und glaubwürdig anfühlen. 

Warum zwei Arbeitsschritte?– „Fett auf mager“ 

Eine Frage taucht dabei immer wieder auf:

„Warum machst du das alles in zwei Schritten?
Warum erst eine dünne Untermalung, die man kaum sieht, und später noch eine Schicht darüber? Man könnte doch auch gleich alles dick und deckend malen – inklusive Licht und Schatten? Dann wäre man schneller fertig.“

Die Frage ist absolut berechtigt.

Aber wenn du möchtest, dass deine Bilder jahrelang oder jahrzehntelang in gutem Zustand bleiben, musst du ein paar Regeln der Ölmalerei beachten.

Eine der wichtigsten lautet:

„Fett auf mager.“


Das bedeutet:
 
Die unteren Schichten müssen mager sein – also mit wenig Farbe und möglichst ohne Malmittel, dünn aufgetragen.
Die oberen Schichten dürfen fetter sein – also deckender und mit Malmittel.
  
Hält man sich nicht daran, droht nach einigen Jahren Krakelee: Die Farbschicht beginnt zu reißen.

Und stell dir vor, du hast das Bild verkauft – es ist nicht gut für dein Image, wenn deine Werke nach ein paar Jahren Risse zeigen. 

Der zweite Grund ist ästhetisch:


 Mehrere dünne Schichten sehen fast immer besser, lebendiger und tiefgründiger aus als eine einzige dicke Farbschicht.

Letzter Check: Stimmt alles? 

Zum Schluss: Dein Bild wird garantiert anders aussehen als meins – und das ist auch gut so. 

Bevor du den Pinsel endgültig weglegst, geh mit den Augen jeden Zentimeter deines Bildes ab:
 
- Stimmen die Farben?
- Funktionieren Licht und Schatten?
- Ist die Form überall logisch und stimmig?
- Hast du irgendwo etwas vergessen?
  
Wenn du diese Fragen für dich beantworten kannst, bist du mit dieser Übung einen großen Schritt weiter – und deine kleine Maus zwischen den Keksen wird ganz sicher überzeugend wirken.

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