Ölmalerei Level 2 | Kekse!
Wie fast immer beginne ich auch dieses Bild mit dem Hintergrund. Der Hintergrund legt die Stimmung des gesamten Gemäldes fest und beeinflusst später alle anderen Farben – besonders die der Maus. Deshalb lohnt es sich, hier schon sehr bewusst zu arbeiten. Die Hintergrundfarbe: Pfirsichschwarz und Titanweiß Für den Hintergrund verwende ich eine Mischung aus zwei Farben: Titanweiß und Pfirsichschwarz. Pfirsichschwarz ist ein recht spezieller Farbton, der – soweit ich weiß – nur von einer Firma angeboten wird: Sennelier. Der Name ist ein bisschen irreführend, denn „Pfirsichschwarz“ wirkt in der Praxis eher wie ein sehr sattes, tiefes Dunkelblau. Wenn Du es mit Weiß ausmischst, erhältst Du einen schönen, unaufdringlichen graublauen Ton – ideal für ruhige Hintergründe, die das Motiv nicht erschlagen. Für dieses Bild habe ich ungefähr folgende Mischung verwendet: ca. 75 % Pfirsichschwarz ca. 25 % Titanweiß Du musst diese Prozentangaben nicht mit der Pipette abmessen – sie dienen eher als Orientierung. Wichtig ist, dass Du einen gedeckten, leicht bläulichen Grauton erhältst, der nicht zu hell, aber auch nicht stockdunkel ist. Mit dieser Mischung male ich den gesamten Hintergrund. Wenn Du kein Pfirsichschwarz hast Keine Sorge: Du musst Dir nicht sofort Pfirsichschwarz kaufen, um dieses Bild malen zu können. Du hast mehrere Alternativen: 1. Blaues Paynesgrau Du kannst stattdessen sehr gut Paynesgrau verwenden – allerdings die blaue Variante. Einige Hersteller (z.B. Norma) mischen ein eher violettstichiges Paynesgrau. Das ist an sich nicht „falsch“, aber es verändert die Gesamtwirkung des Bildes: Ein blaues Paynesgrau ergibt einen kühlen, neutralen Hintergrund. Ein violettes Paynesgrau bringt automatisch einen wärmeren, leicht rötlichen Touch ins Bild. Das hätte zur Folge, dass auch Deine Maus später eine etwas andere Farbigkeit bekommt als in meinem Beispiel. Denn Du weißt: Der Hintergrund beeinflusst immer die Wirkung aller anderen Farben im Bild. 2. Ein eigenes Blaugrau mischen Wenn Du weder Pfirsichschwarz noch ein blaues Paynesgrau hast, mische Dir einfach selbst ein Blaugrau: ein wenig Schwarz, etwas Blau, dazu Titanweiß, bis der Ton schön gedeckt und leicht bläulich grau wirkt. Damit bist Du auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Mein Paneel, auf das ich dieses Bild male, ist bereits grau grundiert. Das hat keinen besonderen „geheimen“ Grund – außer diesem: Unter dieser Schicht steckt noch ein älteres Bild, das ich vor Jahren angefangen, aber nie fertiggestellt habe. Solche „Bilder-Leichen“ haben viele Künstler in ihren Schränken stehen – da bin ich keine Ausnahme. Der Vorteil einer grauen Grundierung: Du startest nicht auf strahlendem Weiß, sondern in einem mittleren Tonwert. Dadurch lassen sich sowohl Lichter als auch Schatten viel besser beurteilen. Für dieses Motiv ist das praktisch, aber nicht zwingend notwendig – Du kannst auch auf einem anderen neutralen Untergrund arbeiten. Pinselwahl und Streichrichtung Das Bildformat ist relativ klein, deshalb verwende ich für den Hintergrund nur einen kleinen Katzenzungenpinsel (Filbert-Pinsel). Mit seiner abgerundeten Form lassen sich weiche Übergänge besonders gut anlegen. Ein wichtiger Punkt beim Auftragen der Farbe: Streiche die Farbe nicht nur in eine Richtung auf das Paneel, sondern kreuz und quer, in sich überlagernden Bewegungen. Schau Dir am besten genau an, wie ich die Handführung im Video mache: Durch diese überkreuzten Pinselzüge verschwinden Streifen, und Du erhältst einen gleichmäßigen, flecklosen Hintergrund, der trotzdem lebendig wirkt. Wenn Du nur streng in eine Richtung „ziehst“, sieht der Hintergrund schnell so aus, als hättest Du eine Tür lackiert – und genau das wollen wir vermeiden. Wir malen ein Bild – keine Tür. 😉 Arbeite ruhig zügig und gleichmäßig, damit die Farbe nass bleibt und keine harten Kanten entstehen. Wenn nötig, kannst Du zum Schluss mit ganz leichten, fast schwebenden Pinselbewegungen noch einmal über die Fläche gehen, um alles sanft zu glätten. Damit ist der Hintergrund vorbereitet – die Bühne für unsere kleine Maus steht. Jetzt kann das eigentliche Motiv darauf Platz nehmen. Den Schatten, den die Maus wirft, untermale ich mit reinem Pfisichschwarz. Durch das anschließende Vertreiben mit dem blaugrauen Hintergrund hellt sich die Farbe automatisch auf und fügt sich gut ins Bild ein. Fertig? Lass das Bild dann gut trocknen.
Für die braunen Kekse
Sobald der Hintergrund fertig ist, lasse ich das Bild trocknen. Wie lange die Trocknungszeit beträgt, hängt immer von der verwendeten Farbe ab. Brauntöne trocknen z.B. schneller als Schwarz. Und auch die Dicke der aufgetragenen Farbschicht ist ein wichtiger Faktor. Genauso wie die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchtigkeit. Sommer oder Winter, geheizte oder ungeheizte Räume?
Für die Untermalung der Maus benötigst du 2 Farbmischungen. Innenohr, Pfötchen, Schnauze und Schwanz: Titanweiß, Kadmiumgelb und Krapplack. Um diese Farbe aufzuhellen, gibt man Titanweiß und eine Spur Kadmiumgelb an die Farbe, um sie abzudunkeln dementsprechend mehr Krapplack. Fell: Titanweiß, Elfenbeinschwarz und Gebrannte Umbra Zuckerstange: Titanweiß, Elfenbeinschwarz, Gebrannte Umbra, Kadmiumgelb, Kadmiumrot Obwohl es eine weiße Maus ist, wird das Fell dennoch nicht weiß gemalt. Sondern in einem hellen Grau. Sonst wäre es nicht möglich, später Highlights aus das Fell zu malen - man würde sie nicht sehen. Achte auch in dieser Phase des Bildes bereits auf Licht und Schatten. Sobald das Bild komplett untermalt ist, muss es erst mal trocknen. Wie lange, das hängt von der Wärme in Deinen Räumen ab, aber auch von der Dicke Deiner Farbaufträge.
Wir sind im zweiten Teil unseres Bildes angekommen: dem Anlegen des Bodies. Aus anderen Lektionen weisst Du schon, was das bedeutet. Also: Korrektur der Farb- und Tonwerte. Schau e Dir dein Bild aufmerksam an, lasse die Augen über jeden einzelnen Zentimeter wandern: Stimmen meine Farben? Ist das Licht hell genug? Die Schatten dunkel genug? Wenn alles korrigiert ist, dann kommen wir auch schon zur dritten und letzten Phase unseres Bildes: dem Malen der Details. Ich beginne mit dem Fell. Dazu mische ich mir eine neue Fellfarbe aus Kasslerbraun und Titanweiß. Und ich gebe soviel Liquin an meine Farbmischung, bis sie beinahe flüssig ist. Auf diese Weise kann ich die feinen Haare des Fells viel besser und präziser malen. Die Farbmischung muss ein wenig heller sein als die Untermalung, ansonsten sieht man die Haare nicht. Hier und da kann man auch ein paar hellere Haare dazwischenmalen, oder ein paar dunklere. Ganz wichtig ist auch die Wuchsrichtung der Haare. Darauf musst Du beim Malen gut achten, sonst sieht Deine Maus am Ende aus wie ein kleiner Punk. Schaue dazu einfach den nächsten Film. Male am besten mehrere Schichten des Fells übereinander in etwas unterschiedlichen Grautönen. Dadurch wird das Fell kompakter und sieht am Ende auch viel realistischer aus.
Jetzt kommt die finale Phase. Nochmals eine Schicht Haare auf's Fell, und dann kommt die Zuckerstange. Die ist nicht ganz einfach. Beginne erst mal mit Anlegen von Licht und Schatten. Wir benötigen dafür wieder die Farben aus der Untermalung, allerdings nehme ich zum Abdunkeln der hellen Teile der Zuckerstange nun Kasslerbraun, und zum Abdunkeln der roten Teile Krapplack. Nach dem Anlegen von Licht und Schatten erhält die Zuckerstange noch eine Struktur. Schaue Dir dazu am besten den folgenden Film an. Abschließend noch die Pfötchen. Für die Schattenbereiche verwende ich eine Mischung aus Krapplack und etwas Kadmiumgelb, für die Highlights Titanweiß mit einer Spur Kadmiumgelb.
Ich wünsche gutes Gelingen. Solltest Du Fragen zum Bild haben, die hier unbesprochen geblieben sind, dann schreibe mir einfach. 🙂
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Ölmalerei Level 2 | Maus auf Zuckerstange